Während der Fastenzeit 2026 ist etwas passiert, das mich im Nachhinein immer noch erstaunt: Ich habe mich über Wochen gesund ernährt, mich sehr viel bewegt und hatte keine Fressanfälle.
Warum?
Denn grundsätzlich kannte ich das Problem schon lange. Ich wusste, wie schnell aus dem Gedanken an etwas Süßes ein Kauf werden kann, aus einem Stück mehrere und irgendwann aus Essen ein Verhalten, bei dem es längst nicht mehr nur um Hunger geht.
Schon seit Januar hatte ich begonnen, gesünder zu essen und mich mehr zu bewegen. Aber mit dem Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch wurde mein Alltag plötzlich sehr viel klarer.
Ich verzichtete auf Süßigkeiten und Kaffee. Auch meine Cafébesuche fielen weg.
Gleichzeitig praktizierte ich OMAD – One Meal a Day. Einmal am Tag bereitete ich mir einen riesigen Brunch zu. Dabei achtete ich darauf, genügend zu essen und meinen Körper möglichst gut mit Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und anderen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.
Danach war das Thema Essen für ungefähr 23 Stunden erledigt.
Und genau das empfand ich als unglaublich befreiend.
Ich musste nicht ständig überlegen:
Soll ich jetzt etwas essen?
Habe ich Hunger?
Darf ich mir etwas gönnen?
Soll ich noch etwas kaufen?
Vielleicht nur einen Kaffee?
Vielleicht doch Kuchen?
Diese Entscheidungen gab es einfach nicht mehr ständig.
Auch mein Tagesablauf war plötzlich klar
Nach meinem Brunch ging ich normalerweise zu meinem Putzjob. Dort war ich körperlich aktiv und hatte gleichzeitig eine feste Aufgabe.
Am Nachmittag arbeitete ich am MacBook.
Am Abend ging ich entweder in einen Bibelkreis, beschäftigte mich zu Hause mit der Bibel oder machte es mir gemütlich und schaute einen Film.
Zusätzlich bin ich viel spazieren gegangen.
Zweimal pro Woche führte mich mein Einkauf zu einem Supermarkt, der ungefähr zehn Kilometer entfernt lag. Der Weg war wunderschön, sodass aus dem Einkauf eine lange Wanderung wurde. An manchen Tagen kam ich auf zehn bis zwanzig Kilometer.
An den übrigen Tagen waren die Spaziergänge kürzer, aber durch meinen Putzjob hatte ich ohnehin zusätzliche Bewegung.
Erst am 31. März bekam ich mein Auto. Damit entstand plötzlich eine neue Möglichkeit: Warum zehn Kilometer laufen, wenn man auch ins Auto steigen kann?
Auch daran merke ich heute, wie stark unsere Umgebung unser Verhalten beeinflusst.
Mein Glaube spielte eine große Rolle
Die Fastenzeit war für mich keine gewöhnliche Diät.
Sie war religiös begründet.
Ich beschäftigte mich in dieser Zeit intensiver mit Gott, mit der Bibel und mit meinem Glauben. Ich betete mehr, besuchte mehr Bibelkreise und Gottesdienste und bereitete mich auf die Reconciliation in der katholischen Kirche vor.
Das machte einen großen Unterschied.
Es ging nicht nur darum, etwas nicht zu essen.
Es ging darum, etwas bewusst zu tun, weil ich glaubte, dass es meinem Glauben entsprach und dass Gottes Wille in meinem Leben wichtiger sein sollte als jeder spontane Wunsch.
Auch finanziell war vieles anders. Ich hatte einen Patreon-Account von einem Thema, mit dem ich gut verdient hatte, auf Sprachenlernen umgestellt, weil das bisherige Thema für mich nicht mehr zu meinem inzwischen tieferen Glauben passte. Dadurch fiel ein großer Teil meiner Einnahmen weg.
Regelmäßig ins Café zu gehen oder zusätzlich Süßigkeiten, Kuchen und Kaffee zu kaufen, war deshalb finanziell kaum noch möglich.
Am Ende der Fastenzeit hatte ich ungefähr vier Kilogramm abgenommen.
Aber viel wichtiger war für mich etwas anderes:
Ich hatte keine Fressanfälle.
Und genau deshalb frage ich mich heute:
Warum hat das plötzlich funktioniert?
Welche Gründe können Fressanfälle haben?
Wenn man Fressanfälle nur mit mangelnder Disziplin erklärt, greift das viel zu kurz.
Es kann sehr viele Gründe geben.
Zum Beispiel:
- körperlicher Hunger
- zu wenig Kalorien insgesamt
- sehr lange Essenspausen
- starke Restriktion
- Schlafmangel
- Erschöpfung
- Stress
- Überforderung
- Angst
- innere Unruhe
- Traurigkeit
- Frust
- Langeweile
- Einsamkeit
- fehlende emotionale Nähe
- fehlende körperliche Nähe
- unerfülltes Bedürfnis nach Partnerschaft oder Sexualität
- fehlende Geborgenheit
- fehlende Anerkennung
- fehlendes Gefühl von Zugehörigkeit
- fehlende Autonomie
- fehlende Selbstwirksamkeit
- zu wenig Freude
- zu wenig Spiel
- zu wenig Abwechslung
- fehlender Sinn
- Essen als Trost
- Essen als Belohnung
- Essen als Beruhigung
- Essen als Ablenkung
- Essen als Pause
- Essen als Spannungsabbau
- Gewohnheiten
- bestimmte Trigger
- leicht verfügbare Lebensmittel
- impulsives Verhalten
- Schwarz-Weiß-Denken
- Schuldgefühle
- strenge Verbote
- Gedanken wie „nie wieder“
- ständiges Kreisen um Essen
- Versuch, Essensgedanken aktiv zu unterdrücken
- mehrere dieser Faktoren gleichzeitig
Es ist also durchaus möglich, dass ein Fressanfall gar nicht nur mit Essen zu tun hat.
Vielleicht ist Essen nur die schnellste Lösung, die unser Gehirn in diesem Moment kennt.
Welche Grundbedürfnisse können dahinterstecken?
Die klassische Bedürfnispyramide von Maslow wird heute nicht mehr so starr gesehen wie früher. Trotzdem bleibt der Grundgedanke interessant: Menschen haben körperliche und psychische Bedürfnisse, und wenn diese dauerhaft nicht erfüllt sind, kann das unser Verhalten beeinflussen.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Nahrung und körperliche Versorgung
- Schlaf und Erholung
- Sicherheit
- soziale Verbundenheit
- emotionale Nähe
- körperliche Nähe
- Partnerschaft
- Sexualität
- Autonomie
- Kompetenz
- Anerkennung
- Freude
- Spiel
- Abwechslung
- Sinn
Wenn Essen versucht, viele dieser Bedürfnisse gleichzeitig zu erfüllen, reicht es nicht, einfach nur das Essen wegzunehmen.
Dann müsste man sich vielmehr fragen:
Was brauche ich eigentlich wirklich?
Was hat Spielen mit Essverhalten zu tun?
Dieser Gedanke ist mir besonders wichtig geworden.
Als Kind spielt man viel.
Spiel bringt Freude, Spannung, Fantasie, Neugier, Erfolgserlebnisse, Selbstbestimmung, Ablenkung und manchmal sogar Flow.
Später nimmt das Spielen bei vielen Menschen stark ab.
Bei mir ist der erste Fressanfall in einer Zeit aufgetaucht, in der ich als Jugendliche kaum noch gespielt habe und gleichzeitig erstmals eigenes Taschengeld hatte.
Plötzlich konnte ich selbst entscheiden, was ich mir kaufe.
Und plötzlich war Essen leicht verfügbar.
Natürlich kann man daraus nicht schließen, dass weniger Spielen automatisch zu Fressanfällen führt.
Aber ich frage mich heute:
Hat Essen vielleicht teilweise Funktionen übernommen, die früher Spiel, Freude, Beschäftigung und Spannung erfüllt haben?
Welche Früchte des Heiligen Geistes können besonders helfen?
In Galater 5,22–23 werden die Früchte des Heiligen Geistes genannt:
Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.
Wenn es um Fressanfälle geht, denkt man vielleicht zuerst an Selbstbeherrschung.
Aber möglicherweise ist gerade das zu kurz gedacht.
Liebe
Liebe kann bedeuten, liebevoll mit anderen und auch mit sich selbst umzugehen.
Wenn ich mich nach einem Fressanfall beschimpfe, verurteile und mich selbst ablehne, kann daraus leicht ein neuer Kreislauf entstehen.
Freude
Wenn Freude im Alltag fehlt, kann Essen schnell zu einer der zuverlässigsten Quellen von Genuss und Belohnung werden.
Friede
Innere Unruhe und Stress können das Bedürfnis verstärken, sich durch Essen zu beruhigen.
Geduld
Nicht jeder Impuls muss sofort befriedigt werden.
Man kann lernen, ein Gefühl erst einmal auszuhalten, ohne unmittelbar zu handeln.
Freundlichkeit
Freundlichkeit sich selbst gegenüber kann helfen, nach einem Fehler vernünftig weiterzumachen, anstatt in Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen.
Güte
Güte kann bedeuten, danach zu fragen, was meinem Körper und meinem Leben langfristig wirklich guttut.
Treue
Treue kann auch bedeuten, guten Entscheidungen und hilfreichen Gewohnheiten über längere Zeit treu zu bleiben.
Sanftmut
Sanftmut ist ein wichtiges Gegengewicht zu harter Selbstkontrolle.
Ich muss mich nicht brutal zwingen oder gegen mich selbst kämpfen.
Selbstbeherrschung
Selbstbeherrschung hilft dabei, einen Impuls nicht automatisch in eine Handlung umzusetzen.
Aber vielleicht wird Selbstbeherrschung gerade dann leichter, wenn auch Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue und Sanftmut im Leben Raum bekommen.
Warum mich Joyce Meyers Predigt über Selbstbeherrschung zu diesem Artikel inspiriert hat
Eine Predigt von Joyce Meyer über Selbstkontrolle hat mich dazu gebracht, noch einmal grundsätzlich über dieses Thema nachzudenken.
Ist Selbstbeherrschung wirklich das Wichtigste, wenn es um Fressanfälle geht?
Oder kann zu viel Kontrolle sogar nach hinten losgehen?
Selbstkontrolle ist wichtig.
Aber Selbstkontrolle ist nicht dasselbe wie Selbstunterdrückung.
Wenn ich den ganzen Tag denke:
Ich darf das nicht.
Ich darf nie wieder Süßigkeiten essen.
Ich darf keinen Fehler machen.
Dann beschäftige ich mich gedanklich ständig mit genau dem, was ich vermeiden möchte.
Das erinnert an das berühmte Beispiel:
Denk nicht an einen blauen Elefanten.
Und was erscheint sofort vor dem inneren Auge?
Ein blauer Elefant.
Vielleicht bedeutet hilfreiche Selbstkontrolle deshalb nicht, permanent gegen Gedanken und Wünsche zu kämpfen.
Vielleicht beginnt sie viel früher.
Worum geht es in Joyce Meyers Predigt?
Joyce Meyer beschreibt Selbstkontrolle als eine Frucht des Heiligen Geistes.
Sie versteht Selbstkontrolle also nicht nur als menschliche Willenskraft.
Gleichzeitig betont sie, dass diese Fähigkeit nicht einfach passiv bleibt. Selbstbeherrschung soll entwickelt und eingeübt werden.
Ein wichtiger Punkt ihrer Predigt sind Gewohnheiten und Mäßigung.
Selbstkontrolle zeigt sich nicht nur in großen Entscheidungen, sondern auch darin, wie wir unseren Alltag gestalten.
Wann stehen wir auf?
Wie gehen wir mit unserer Zeit um?
Schieben wir unangenehme Aufgaben immer weiter auf?
Folgen wir jedem spontanen Impuls?
Joyce Meyer sagt auch sinngemäß, dass schwierige Dinge nicht leichter werden, wenn wir sie ständig verschieben.
Sie spricht außerdem darüber, dass Menschen, die andere führen wollen, zuerst lernen müssen, sich selbst zu führen.
Das hat mich auch als Lehrerin angesprochen.
Wenn ich Verantwortung für andere Menschen übernehme, möchte ich selbst möglichst bewusst leben und nicht nur Dinge erklären, die ich selbst überhaupt nicht versuche umzusetzen.
Ein weiterer wichtiger Gedanke der Predigt ist, den eigenen Willen nicht immer an die erste Stelle zu setzen, sondern Gottes Willen Raum zu geben.
Sehr berührt hat mich auch der Gedanke, dass man sich nicht nur krampfhaft selbst verändern soll.
Stattdessen geht es darum, Gott mehr zu lieben, seine Liebe stärker wahrzunehmen und sich von dieser Beziehung verändern zu lassen.
Und schließlich geht es um den Moment zwischen Impuls und Handlung.
Ich kann merken, dass ich gleich explodiere.
Ich kann merken, dass ich gerade unbedingt etwas tun möchte.
Und trotzdem muss ich diesen Impuls nicht automatisch ausleben.
Für Joyce Meyer ist das eine Form von Selbstkontrolle, bei der der Heilige Geist hilft.
Diese Predigt hat mich zu der Frage gebracht:
Vielleicht besteht Selbstkontrolle gar nicht nur darin, im entscheidenden Moment möglichst stark „Nein“ zu sagen.
Vielleicht gehört auch dazu, meinen Alltag so zu gestalten, dass ich viel seltener in Situationen komme, in denen ich überhaupt mit aller Kraft kämpfen muss.
Dazu gehören Tagesstruktur, Gewohnheiten, Schlaf, Bewegung, sinnvolle Aufgaben, klare Regeln und Entscheidungen, die ich nicht jeden Tag neu verhandeln muss.
Die Predigt von Joyce Meyer
Gebete zur Entspannung
In meiner Serie „Gebete zur Entspannung“ verbinde ich Gebet mit bewusster Atmung.
Auch im ersten Artikel meiner Serie über Fressanfälle habe ich bereits mit einer ähnlichen Struktur gearbeitet.
Außerdem habe ich schon früher ein Gebet zu den Früchten des Heiligen Geistes geschrieben.
Auch in diesem Gebet wechseln Bitte und Dank miteinander ab.
Dabei geht es im ersten Teil darum, mögliche Ursachen des eigenen Essverhaltens zu erkennen.
Im zweiten Teil geht es darum, hilfreiche Ressourcen und Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen und zu stärken.
Du kannst das Gebet gleichzeitig mit einer einfachen Atemübung verbinden.
Bei jeder kursiv geschriebenen Zeile atmest du langsam ein.
Bei der jeweils folgenden normal geschriebenen Zeile atmest du langsam aus.
Gebet: Fressanfälle verstehen und neue Wege finden
Teil 1: Ursachen erkennen
Bitte, lieber Gott, hilf mir zu erkennen,
ob echter Hunger hinter meinem Verlangen nach Essen steckt.
Danke, oh Herr, dass du mir hilfst,
die Signale meines Körpers immer besser zu verstehen.
Bitte, lieber Gott, mach mir bewusst,
ob Müdigkeit oder Erschöpfung meine Fressanfälle begünstigen.
Danke, oh Herr, für jede Möglichkeit,
meinem Körper Ruhe und Erholung zu schenken.
Bitte, lieber Gott, öffne mir die Augen dafür,
ob Stress mein Verlangen nach Essen verstärkt.
Danke, oh Herr, für jeden Moment,
in dem ich Ruhe und Frieden erfahren darf.
Bitte, lieber Gott, lass mich wahrnehmen,
ob Einsamkeit hinter meinem Essverhalten steckt.
Danke, oh Herr, für jeden Menschen,
mit dem ich mich verbunden fühlen darf.
Bitte, lieber Gott, zeige mir,
ob fehlende emotionale Nähe dabei eine Rolle spielt.
Danke, oh Herr, für jede Begegnung,
in der ich mich gesehen und verstanden fühle.
Bitte, lieber Gott, schenke mir Klarheit darüber,
ob mir körperliche Nähe und Geborgenheit fehlen.
Danke, oh Herr, für jede liebevolle Berührung,
die mir Wärme und Sicherheit schenkt.
Bitte, lieber Gott, hilf mir zu verstehen,
ob unerfüllte Wünsche nach Partnerschaft oder Sexualität mein Essverhalten beeinflussen.
Danke, oh Herr, dass ich dir auch diese Bedürfnisse,
ehrlich und ohne Scham anvertrauen darf.
Bitte, lieber Gott, hilf mir wahrzunehmen,
ob Langeweile mein Verlangen nach Essen verstärkt.
Danke, oh Herr, für alle Möglichkeiten,
meinen Tag mit schönen und sinnvollen Dingen zu füllen.
Bitte, lieber Gott, lass mich erkennen,
ob mir Freude, Spiel oder Abwechslung fehlen.
Danke, oh Herr, für all das Schöne,
das mein Leben lebendig und bunt macht.
Bitte, lieber Gott, zeige mir,
ob ich Essen als Trost benutze.
Danke, oh Herr, für deine Nähe,
wenn ich traurig oder verletzt bin.
Bitte, lieber Gott, öffne mir die Augen dafür,
ob Essen für mich manchmal zur Belohnung wird.
Danke, oh Herr, für all die anderen Dinge,
auf die ich mich freuen und für die ich dankbar sein darf.
Bitte, lieber Gott, lass mich verstehen,
ob ich mich mit Essen beruhigen oder ablenken möchte.
Danke, oh Herr, für jeden Weg,
auf dem ich Ruhe und Entlastung finden kann.
Bitte, lieber Gott, hilf mir zu erkennen,
ob fehlende Struktur meinen Alltag schwieriger macht.
Danke, oh Herr, für jede Aufgabe und jeden Rhythmus,
die meinem Tag Orientierung geben.
Bitte, lieber Gott, mach mir bewusst,
ob strenge Verbote mein Verlangen nach Essen verstärken.
Danke, oh Herr, für jede Erkenntnis,
die mir hilft, vernünftig und liebevoll mit mir umzugehen.
Bitte, lieber Gott, lass mich wahrnehmen,
ob Gedanken wie „nie wieder“ mich erst recht an Essen denken lassen.
Danke, oh Herr, dass ich lernen darf,
meine Aufmerksamkeit auf das zu richten, was ich tun möchte.
Bitte, lieber Gott, hilf mir zu verstehen,
ob Schwarz-Weiß-Denken meine Fressanfälle begünstigt.
Danke, oh Herr, dass ein einzelner Fehler,
nicht über meinen ganzen Tag oder meinen ganzen Weg entscheidet.
Bitte, lieber Gott, zeige mir,
welche Situationen und Gewohnheiten meine persönlichen Trigger sind.
Danke, oh Herr, für jede neue Einsicht,
mit der ich mein Verhalten bewusster gestalten kann.
Teil 2: Ressourcen stärken
Bitte, lieber Gott, schenke mir die Weisheit zu erkennen,
dass mein Körper ausreichend Nahrung braucht.
Danke, oh Herr, für die Lebensmittel,
mit denen ich meinen Körper versorgen darf.
Bitte, lieber Gott, lass mich immer tiefer verstehen,
dass eine ausgewogene Ernährung mir Kraft und Stabilität gibt.
Danke, oh Herr, für jede Mahlzeit,
die mich sättigt und meinem Körper guttut.
Bitte, lieber Gott, führe mich zu der Erkenntnis,
dass ausreichend Schlaf für mein Wohlbefinden wichtig ist.
Danke, oh Herr, für jede Nacht,
in der mein Körper und meine Seele sich erholen können.
Bitte, lieber Gott, schenke mir Klarheit darüber,
dass Bewegung mir Kraft, Freude und Ausgeglichenheit geben kann.
Danke, oh Herr, für meine Beine und meinen Körper,
mit denen ich gehen, laufen und die Welt entdecken kann.
Bitte, lieber Gott, öffne mir die Augen dafür,
dass eine verlässliche Tagesstruktur mir Halt geben kann.
Danke, oh Herr, für jede Aufgabe,
die meinem Tag Richtung und Bedeutung gibt.
Bitte, lieber Gott, hilf mir anzunehmen,
dass ich Pausen und Erholung brauche.
Danke, oh Herr, für jeden ruhigen Moment,
in dem ich neue Kraft sammeln darf.
Bitte, lieber Gott, schenke mir die Einsicht,
dass ich Gemeinschaft und Verbundenheit brauche.
Danke, oh Herr, für alle Menschen,
mit denen ich mein Leben teilen darf.
Bitte, lieber Gott, lass mich immer tiefer verstehen,
dass emotionale und körperliche Nähe wichtige Bedürfnisse sind.
Danke, oh Herr, für jede Form von Liebe und Geborgenheit,
die ich erfahren und weitergeben darf.
Bitte, lieber Gott, führe mir vor Augen,
dass Freude und Spiel zu einem erfüllten Leben gehören.
Danke, oh Herr, für Lachen, Neugier und schöne Erlebnisse,
die mein Leben bereichern.
Bitte, lieber Gott, schenke mir Klarheit darüber,
dass ich nicht jede schwierige Aufgabe aufschieben muss.
Danke, oh Herr, für jede Gelegenheit,
etwas anzupacken und etwas zu bewirken.
Bitte, lieber Gott, hilf mir zu verstehen,
dass gute Gewohnheiten meine Selbstkontrolle erleichtern können.
Danke, oh Herr, für jede hilfreiche Gewohnheit,
die bereits Teil meines Lebens geworden ist.
Bitte, lieber Gott, lass mich erkennen,
dass ich nicht jeden spontanen Impuls ausleben muss.
Danke, oh Herr, für den Heiligen Geist,
der mir Selbstbeherrschung schenkt und mich darin wachsen lässt.
Bitte, lieber Gott, schenke mir die Weisheit,
meinen eigenen Willen nicht immer an die erste Stelle zu setzen.
Danke, oh Herr, dass ich darauf vertrauen darf,
dass dein Wille mich zu einem guten Leben führen kann.
Bitte, lieber Gott, lass mich immer tiefer verstehen,
dass Veränderung nicht nur durch Druck entstehen muss.
Danke, oh Herr, für deine Liebe,
aus der neue Kraft und neue Entscheidungen wachsen können.
Bitte, lieber Gott, schenke mir Klarheit darüber,
dass ich meine Bedürfnisse ernst nehmen darf, ohne ihnen blind zu folgen.
Danke, oh Herr, dass ich lernen darf,
mich selbst mit Liebe, Geduld und Sanftmut zu führen.
Danke, oh Herr,
für jeden kleinen Schritt auf diesem Weg.
Danke, oh Herr,
für jede Erkenntnis, jede gute Entscheidung und jede hilfreiche Gewohnheit.
Danke, oh Herr,
dass ich nicht nur gegen Fressanfälle kämpfen muss, sondern mein Leben mit Nahrung, Bewegung, Gemeinschaft, Freude, Liebe, Sinn und Nähe zu dir füllen darf.
Amen.
Welche Ressourcen und Hilfen können außerdem gegen Fressanfälle helfen?
Die Pflege der Früchte des Heiligen Geistes kann für gläubige Menschen eine wertvolle Ressource sein.
Aber Fressanfälle können körperliche, psychische, soziale und medizinische Ursachen haben.
Deshalb wäre es falsch, sie allein als geistliches oder moralisches Problem zu betrachten.
Hilfreich können zum Beispiel sein:
- ausreichend essen
- genügend Kalorien aufnehmen
- auf Eiweiß, Ballaststoffe, gesunde Fette, Vitamine und Mineralstoffe achten
- einen Essrhythmus finden, der persönlich guttut
- ausreichend schlafen
- genügend trinken
- Stress reduzieren
- regelmäßige Pausen einplanen
- Bewegung
- Spaziergänge
- Tagesstruktur
- feste Aufgaben
- soziale Kontakte
- emotionale Nähe
- körperliche Nähe
- Freude
- Spiel
- Hobbys
- Abwechslung
- sinnvolle Beschäftigung
- gesunde Lebensmittel leicht verfügbar machen
- persönliche Trigger kennenlernen
- problematische Situationen möglichst verändern
- weniger Schwarz-Weiß-Denken
- nach einem Fehler nicht denken: „Jetzt ist sowieso alles egal“
- positive Ziele formulieren statt nur Verbote
- Gedanken wahrnehmen, ohne sie automatisch auszuführen
- Bedürfnisse erkennen
- mehrere Möglichkeiten entwickeln, diese Bedürfnisse zu erfüllen
- gute Gewohnheiten aufbauen
- Entscheidungen möglichst nicht ständig neu treffen müssen
- bei wiederkehrenden oder schweren Fressanfällen professionelle Unterstützung suchen
Was davon hat mir persönlich in der Fastenzeit geholfen?
Wenn ich meine Fastenzeit heute mit dieser Liste vergleiche, fällt mir auf, dass erstaunlich viele dieser Schutzfaktoren gleichzeitig vorhanden waren.
Ich hatte einen klaren Essrhythmus.
OMAD hat mir persönlich geholfen, weil ich einmal am Tag eine große Mahlzeit gegessen habe und danach für viele Stunden nicht mehr über Essen nachdenken musste.
Das bedeutet nicht, dass OMAD für jeden Menschen mit Fressanfällen geeignet ist. Gerade bei Essstörungen kann starke Restriktion problematisch sein.
Bei mir hatte diese klare Struktur damals jedoch einen großen entlastenden Effekt.
Ich hatte außerdem sehr viel Bewegung.
Ich hatte einen Putzjob.
Ich hatte einen festen Tagesablauf.
Ich arbeitete nachmittags am MacBook.
Ich hatte Bibelkreise und Gottesdienste.
Ich betete mehr.
Ich beschäftigte mich intensiver mit der Bibel.
Ich hatte lange Spaziergänge, auf die ich mich freuen konnte.
Ich hatte weniger Geld für spontane Cafébesuche, Süßigkeiten und zusätzliche Lebensmittel.
Und ich hatte einen starken Sinn hinter meinem Verhalten.
Ich fastete nicht nur, weil ich abnehmen wollte.
Ich fastete, weil Fasten für mich zu meinem Glauben gehörte.
Vielleicht war deshalb auch die innere Diskussion viel kleiner.
Die Frage war nicht jeden Tag:
Esse ich heute Süßigkeiten oder nicht?
Die Entscheidung war längst getroffen.
Tagesstruktur hat mir schon früher geholfen
Wenn ich über die Bedeutung von Tagesstruktur nachdenke, fällt mir auf, dass sie in meinem Leben schon einmal eine sehr große Rolle gespielt hat.
Nachdem mir das Sorgerecht für meine Kinder entzogen worden war und ich den Prozess verloren hatte, geriet ich in eine schwere depressive Phase.
Ich lag in meinem Haus auf dem Sofa, hatte die Vorhänge geschlossen und wollte eigentlich nur, dass alles vorbei ist.
Im Hintergrund liefen immer wieder christliche Predigten im Fernsehen.
Ich hörte Botschaften wie:
Gib nicht auf.
Gott liebt dich.
Steh auf.
Mach etwas aus deinem Leben.
Für mich fühlten sich diese Worte irgendwann wie eine indirekte Botschaft Gottes an.
Und dann kam noch ein Mensch in mein Leben, den ich rückblickend fast wie einen Engel empfinde.
Eine Freundin hatte zuvor schon eine gemeinsame Freundin durch Suizid verloren und hatte erlebt, wie hilflos sie damals gewesen war.
Als sie sah, wie schlecht es mir ging, wollte sie nicht noch einmal einfach danebenstehen.
Sie ließ mich nicht in Ruhe.
Sie brachte mich dazu, zu duschen.
Wir gingen einkaufen.
Ich holte Holz, machte Holz und schichtete es auf.
Ich begann wieder, Bewerbungen zu schreiben.
Schließlich fand ich einen Ein-Euro-Job bei der Gemeinde.
Dort jätete ich Unkraut und fuhr ungefähr sieben Kilometer mit dem Fahrrad zur Arbeit.
Plötzlich gab es wieder Aufgaben.
Bewegung.
Verantwortung.
Einen Grund aufzustehen.
Ich habe später auch in meiner Ausbildung und in psychiatrischen Zusammenhängen immer wieder gehört, wie wichtig Tagesstruktur sein kann.
Heute frage ich mich, ob ich diesen Zusammenhang bei meinem Essverhalten lange unterschätzt habe.
Vielleicht bedeutet Selbstkontrolle auch, mein Leben vorher gut zu gestalten
Selbstkontrolle ist wichtig.
Aber vielleicht besteht die beste Selbstkontrolle gar nicht darin, möglichst oft einem starken Verlangen widerstehen zu müssen.
Vielleicht besteht sie auch darin:
meinen Tag zu strukturieren,
rechtzeitig schlafen zu gehen,
mich ausreichend zu bewegen,
meinen Körper gut zu ernähren,
meine Bedürfnisse ernst zu nehmen,
gute Gewohnheiten aufzubauen,
mich mit Menschen zu verbinden,
Dinge zu tun, die mir Freude machen,
und Entscheidungen im Voraus zu treffen, damit ich nicht ständig neu mit mir selbst verhandeln muss.
Dann wird Selbstkontrolle irgendwann vielleicht sogar zur Gewohnheit.
Und irgendwann fühlt es sich möglicherweise gar nicht mehr nach Kontrolle an.
Vielleicht fühlt es sich einfach nach einem Leben an, das zu meinen Werten passt.
Fazit: Warum konnte ich in der Fastenzeit plötzlich gesund essen?
Ich glaube heute nicht mehr, dass es eine einzige Antwort gibt.
Es war wahrscheinlich nicht nur OMAD.
Es war nicht nur Bewegung.
Es war nicht nur Glaube.
Es war nicht nur Selbstkontrolle.
Es war nicht nur Tagesstruktur.
Es war nicht nur Geld.
Wahrscheinlich war es die Kombination.
Ich hatte eine klare Essensstruktur.
Ich hatte Aufgaben.
Ich bewegte mich viel.
Ich hatte weniger Gelegenheit für spontane Käufe.
Ich hatte Gemeinschaft.
Ich hatte Beschäftigung.
Ich hatte Erholung.
Ich hatte einen Sinn.
Und ich hatte das Gefühl, dass mein Verhalten nicht nur einem kurzfristigen Ziel diente, sondern Teil meines Glaubens und meines Lebens war.
Vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage nicht:
Warum habe ich mich damals so gut beherrscht?
Sondern:
Welche Bedingungen waren damals so günstig, dass ich mich gar nicht ständig beherrschen musste?
Und vielleicht liegt genau darin ein Weg:
Nicht nur gegen Fressanfälle kämpfen.
Sondern ein Leben aufbauen, in dem Essen nicht mehr die Aufgabe übernehmen muss, Hunger, Langeweile, Trost, Einsamkeit, Belohnung, fehlende Freude, fehlende Struktur und viele andere Bedürfnisse gleichzeitig zu lösen.
- Vom Auto in die Wohnung – was sich durch meinen Umzug nach München verändert hat

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