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  • Warum erreiche ich manche Ziele nicht? Klare Regeln geben Orientierung

    Warum erreiche ich manche Ziele nicht? Klare Regeln geben Orientierung

    Kennst du das auch? Du möchtest etwas in deinem Leben verändern, hast dir ein klares Ziel gesetzt und weißt eigentlich ganz genau, was du tun müsstest. Trotzdem klappt es nicht dauerhaft.

    Du möchtest dich gesünder ernähren. Du möchtest dich mehr bewegen. Du möchtest regelmäßiger lernen, arbeiten oder an einem Projekt weiterkommen. Vielleicht funktioniert es einige Tage sehr gut – und dann entsteht plötzlich eine Situation, in der du eine Ausnahme machst.

    Warum passiert das?

    Eine mögliche Antwort ist erstaunlich einfach: Unsere Regeln sind häufig nicht eindeutig genug.

    Unser Geist sucht nach einer einfachen Lösung

    Wenn wir keine klare Regel für eine bestimmte Situation haben, beginnen wir automatisch zu überlegen:

    Was mache ich jetzt?

    Und genau in diesem Moment findet unser Geist häufig eine Antwort, die gerade besonders angenehm oder bequem erscheint.

    Deshalb kann es sehr hilfreich sein, Regeln nicht nur ungefähr im Kopf zu haben, sondern sie ganz konkret aufzuschreiben.

    Denn je klarer die Regel ist, desto weniger müssen wir in der jeweiligen Situation neu entscheiden.

    Die Entscheidung wurde bereits vorher getroffen.

    Ein Ziel reicht nicht – wir brauchen Regeln für unterschiedliche Situationen

    Nehmen wir ein Beispiel.

    Ich möchte gesünder leben. Dazu gehört für mich unter anderem:

    • täglich viel Bewegung,
    • frisches Obst und Gemüse,
    • Milchprodukte und Eier,
    • möglichst wenig beziehungsweise gezielt ausgewählte Kohlenhydrate.

    Auf den ersten Blick klingt das ziemlich klar.

    Aber was passiert an einem Tag, an dem ich mehrere Termine habe?

    Vielleicht habe ich Unterricht, Lernpartnerschaften, einen Arzttermin oder eine längere Autofahrt. Vielleicht fahre ich mehrere Stunden von der Schweiz nach Bayern.

    Dann könnte mein erster Gedanke sein:

    Heute kann ich meine Bewegung leider nicht schaffen. Heute ist eben eine Ausnahme.

    Doch ist das wirklich so?

    Oder müsste ich lediglich genauer planen?

    Aus einem Ziel wird eine konkrete Regel

    Angenommen, mein Ziel lautet:

    Ich gehe jeden Tag ungefähr drei Stunden zu Fuß.

    Dann könnte eine konkrete Regel zum Beispiel so aussehen:

    Ich gehe morgens mindestens eine Stunde. Wenn ich bis 14 Uhr keine weitere Stunde gegangen bin, gehe ich am Nachmittag oder Abend die fehlende Zeit.

    Damit ist die Situation plötzlich viel eindeutiger.

    Wer beispielsweise von 8 bis 16 Uhr arbeitet, könnte morgens eine Stunde gehen und nach der Arbeit noch zwei Stunden.

    Die Bewegung muss also nicht unbedingt am Stück stattfinden.

    Entscheidend ist, dass vorher feststeht, was passiert, wenn der ursprüngliche Plan nicht funktioniert.

    Was passiert, wenn ich verschlafe?

    Auch dafür kann es eine Regel geben.

    Vielleicht habe ich morgens verschlafen. Ich habe die Schlummertaste gedrückt, bin noch einmal eingeschlafen und muss plötzlich sofort los.

    Dann fällt die morgendliche Stunde aus.

    Ohne klare Regel könnte ich sagen:

    Na gut, heute geht es eben nicht.

    Mit einer klaren Regel lautet die Antwort dagegen:

    Wenn ich morgens nicht gegangen bin, hole ich die gesamte fehlende Zeit am Nachmittag oder Abend nach.

    Damit gibt es nichts mehr zu diskutieren.

    Die Regel beantwortet die Frage bereits.

    Auch das Wetter braucht eine Regel

    Ein weiterer klassischer Grund für Ausnahmen ist das Wetter.

    Es regnet. Es ist kalt. Es ist windig. Vielleicht ist es besonders heiß.

    Auch dafür kann ich vorher festlegen:

    Ich gehe bei jedem normalen Wetter.

    Natürlich kann es wirkliche Ausnahmen geben – beispielsweise ein starkes Unwetter, gefährlicher Hagel oder eine andere Situation, in der es tatsächlich unvernünftig wäre, draußen zu sein.

    Aber solche echten Ausnahmen sind etwas anderes als spontane Ausreden.

    Genau diese Unterscheidung ist wichtig.

    Regeln helfen auch beim Essen

    Das gleiche Prinzip lässt sich auf die Ernährung übertragen.

    Statt nur zu sagen:

    Ich möchte gesünder essen,

    kann ich viel genauer festlegen, was das bedeutet.

    Zum Beispiel:

    • Welche Lebensmittel möchte ich hauptsächlich essen?
    • Welche Mengen passen zu meinem Alltag?
    • Wie verändert sich mein Energiebedarf durch Bewegung?
    • Was mache ich an Tagen mit weniger Bewegung?
    • Was esse ich unterwegs?
    • Was mache ich, wenn ich keine Zeit zum Kochen habe?

    Dabei sollte man seinen individuellen Energiebedarf natürlich nicht einfach pauschal übernehmen, sondern ihn an Körper, Alltag, Gesundheitszustand und Aktivitätsniveau anpassen.

    Der entscheidende Gedanke bleibt aber derselbe:

    Je genauer ich vorher weiß, was ich in einer Situation tun möchte, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich spontan eine bequeme Ausnahme erfinde.

    „Heute bin ich zu müde“ ist keine automatisch gültige Ausnahme

    Auch Müdigkeit kann zu einer solchen spontanen Ausnahme werden.

    Vielleicht habe ich mir vorgenommen, abends noch eine Runde zu gehen. Dann sitze ich zu Hause und denke:

    Ich bin heute wirklich müde. Nur heute bleibe ich daheim.

    Natürlich gibt es Situationen, in denen Ruhe notwendig ist.

    Wenn ich tatsächlich krank bin, Fieber habe oder mein Körper eindeutig Erholung braucht, sieht die Situation anders aus.

    Aber auch hier hilft eine vorher definierte Grenze.

    Was zählt für mich als wirkliche gesundheitliche Ausnahme?

    Und was ist lediglich Unlust, Müdigkeit oder Bequemlichkeit?

    Je klarer ich das vorher festlege, desto weniger muss ich im entscheidenden Moment diskutieren.

    Echte Ausnahmen bleiben echte Ausnahmen

    Regeln sollen nicht dazu führen, dass wir Warnsignale unseres Körpers ignorieren oder uns unvernünftig verhalten.

    Wenn jemand häufig so erschöpft oder krank ist, dass der normale Alltag kaum möglich ist, sollte die Frage nicht lauten:

    Wie zwinge ich mich trotzdem dazu?

    Dann ist es sinnvoller herauszufinden, warum dieser Zustand immer wieder auftritt und gegebenenfalls ärztliche oder therapeutische Unterstützung zu suchen.

    Eine gute Regel ist deshalb nicht starr und rücksichtslos.

    Sie unterscheidet zwischen einer tatsächlichen Ausnahme und einer spontanen Ausrede.

    Kleine Alltagssituationen zeigen, wie das funktioniert

    Manchmal kommt auch einfach etwas völlig Banales dazwischen.

    Ich wollte beispielsweise meine erste Stunde spazieren gehen und stellte plötzlich fest, dass ich vorher dringend eine Toilette brauchte. In der Nähe gab es aber keine, die ich zu Fuß schnell erreichen konnte.

    Also musste ich zuerst irgendwohin fahren.

    Die alte Denkweise könnte lauten:

    Jetzt hat mein Plan nicht funktioniert.

    Die neue Denkweise lautet:

    Ich erledige zuerst das Notwendige und gehe danach meine Stunde.

    Der Plan wird angepasst.

    Das Ziel wird nicht aufgegeben.

    Genau darin liegt ein großer Unterschied.

    Regeln sind keine Strafe

    Manche Menschen empfinden Regeln zunächst als Einschränkung.

    Ich sehe sie eher als Unterstützung.

    Eine gute Regel nimmt uns Entscheidungen ab.

    Sie gibt uns Orientierung.

    Wir müssen nicht jedes Mal aufs Neue überlegen:

    Soll ich heute gehen?

    Soll ich heute lernen?

    Soll ich heute an meinem Projekt arbeiten?

    Ist das heute vielleicht eine Ausnahme?

    Die Antwort steht bereits fest.

    Sei dein eigener liebevoller, aber konsequenter Begleiter

    Ich stelle mir das gern ähnlich wie eine gute Erziehung vor.

    Ein liebevoller Elternteil gibt einem Kind nicht deshalb Regeln, weil er ihm das Leben schwer machen möchte.

    Regeln schaffen Sicherheit, Orientierung und Verlässlichkeit.

    Als Erwachsene müssen wir uns diese Struktur oft selbst geben.

    Wir entscheiden selbst:

    Was ist mir wichtig?

    Welche Regeln helfen mir dabei?

    Welche echten Ausnahmen gibt es?

    Und in welchen Situationen habe ich bisher eine Ausnahme gemacht, obwohl eigentlich keine nötig gewesen wäre?

    Eine kleine Übung

    Nimm dir ein Ziel vor, das du schon länger erreichen möchtest.

    Schreibe anschließend nicht nur das Ziel auf, sondern auch die dazugehörigen Regeln.

    Frage dich:

    • Was mache ich an einem normalen Tag?
    • Was mache ich, wenn ich wenig Zeit habe?
    • Was mache ich, wenn ich verschlafe?
    • Was mache ich bei schlechtem Wetter?
    • Was mache ich unterwegs?
    • Was mache ich, wenn ich müde bin?
    • Was ist eine echte Ausnahme?
    • Welche Ausnahmen habe ich mir bisher erlaubt, obwohl sie eigentlich nicht notwendig waren?

    Gerade der letzte Punkt kann sehr aufschlussreich sein.

    Vielleicht stellst du plötzlich fest:

    Ich brauche gar nicht mehr Motivation. Ich brauche eine klarere Regel.

    Die Regel ist bereits die Antwort

    Wenn unsere Regeln klar sind, muss unser Geist nicht immer wieder nach einer neuen Antwort suchen.

    Die Antwort ist bereits vorhanden.

    Wir kennen sie.

    Die Regel ist die Antwort.

    Sie gibt uns Orientierung, wenn wir gerade keine Lust haben, wenn etwas anders läuft als geplant oder wenn unser Geist beginnt, nach einem bequemen Ausweg zu suchen.

    Und vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum manche Veränderungen plötzlich leichter werden:

    Nicht weil wir von einem Tag auf den anderen disziplinierter geworden sind.

    Sondern weil wir aufgehört haben, jeden Tag dieselben Entscheidungen neu zu verhandeln.

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