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  • Woher kommt der Hass von Menschen, die mich gleichzeitig mutig nennen?

    Woher kommt der Hass von Menschen, die mich gleichzeitig mutig nennen?

    Ich denke, ich habe gerade einen der Gründe gefunden, warum so viele Menschen mich kritisieren, mich ablehnen und mich gleichzeitig als mutig oder frech bezeichnen. Ich glaube, viele Menschen sind davon genervt und abgestoßen, dass ich mich nicht anpasse. Dass ich nicht so lebe, wie es sich „gehört“. Dass ich nicht still Kompromisse eingehe, Regeln befolge, mich einfüge und so werde wie alle anderen.

    Sondern dass ich den Mut habe, Nein zu sagen. Auf Wiedersehen zu sagen. Und etwas anderes zu machen, wenn mir eine Situation nicht guttut. Mich von einem Mann zu trennen, wenn er mich nicht respektiert. Einen Ort zu verlassen, wenn ich mich dort nicht wohlfühle.

    Ich will mich dafür nicht rechtfertigen.
    Ich will nur feststellen, dass ich glaube, dass genau das ein Hauptgrund für die Kritik an mir als Person ist. Und deshalb ist es auch etwas, was ich lange nicht hören wollte. Weil es mich persönlich getroffen hat. Nicht mein Verhalten wurde kritisiert – sondern meine Persönlichkeit.


    Wenn die eigene Persönlichkeit infrage gestellt wird

    Meine Persönlichkeit ist nicht zufällig so geworden. Ich bin in einer traumatischen Kindheit aufgewachsen, in der ich aus der Familie ausgeschlossen wurde. Ab dem Jugendalter hatte ich quasi Wohnzimmerverbot. Beim gemeinsamen Fernsehen war ich nicht erwünscht, weil ich ein kommunikativer Mensch bin und Kommentare gemacht habe. Schon damals wurde mir signalisiert: So wie du bist, bist du zu viel.

    Das bedeutet: Schon sehr früh wurde meine Persönlichkeit kritisiert.

    Ich habe mein Leben lang erlebt, dass meine Wünsche nicht respektiert wurden. Dass ich als Mensch nicht wirklich akzeptiert war. Natürlich hätte ich damals die Entscheidung treffen können, mich anzupassen, um dazuzugehören. Ruhiger zu sein. Weniger zu sein. Mich kleiner zu machen.

    Aber das habe ich nicht getan.


    Warum ich mich trotzdem für mich entschieden habe

    Ich habe mich dafür entschieden, ich selbst zu sein. Und das habe ich meinem Papa zu verdanken. Ich durfte ihn jedes vierte Wochenende sehen, und bei ihm habe ich erlebt, dass ich akzeptabel bin. Dass es Menschen gibt, die mich mögen. Dass meine Art nicht falsch ist.

    Auch in der Schule habe ich das erfahren. Lehrerinnen, Lehrer und viele Mitschüler mochten mich. Meine schrägen Seiten wurden oft augenzwinkernd akzeptiert. Das war eines der größten Geschenke meiner Jugend. In diesem Gymnasium durfte man wirklich man selbst sein. Niemand hat versucht, einen zu etwas zu machen, das man nicht war.

    Das Gymnasium in Pfaffenhofen war – zusammen mit meinem Papa – eines der besten Dinge, die mir im Leben passiert sind. Mein Papa war immer für mich da. Durch ihn habe ich gelernt, dass ich es wert bin, geliebt zu werden. Dass ich etwas sagen darf. Dass man mir zuhören darf. Dass ich ein Recht darauf habe, gehört zu werden.

    Ohne diese Erfahrung wäre ich vermutlich depressiv geworden. Vielleicht sogar selbstmordgefährdet.


    Der Zweifel war trotzdem lange da

    Trotzdem war diese zweifelnde Stimme lange in mir:
    Ist das wirklich so?
    Darf ich wirklich ich sein?
    Habe ich wirklich ein Recht darauf, geliebt zu werden?
    Darf ich verlangen, respektiert und akzeptiert zu werden?

    Dieser Zweifel war lange da – auch, als ich bereits in der Kirche war. Und das muss ich ganz klar sagen: Die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen hat mir unheimlich geholfen. Mich selbst zu akzeptieren. Mich geliebt zu wissen.

    Weil Gott uns liebt. Nicht nur, wenn wir brav sind. Nicht nur, wenn wir uns anpassen. Nicht nur, wenn wir leise sind. Sondern auch, wenn wir anders sind. Wenn wir unsere Bedürfnisse äußern. Wenn wir Grenzen setzen.

    Wir dürfen einfach sein. Punkt.


    Der Tegernsee – und warum das Weggehen trotzdem wehgetan hat

    Der Grund, warum ich vom Tegernsee weggegangen bin, war technisch. Der Besitzer des Grundstücks hatte mir zugesagt, mich aber nicht darüber informiert, dass er nur zu 50 % beteiligt ist. Die zweite Besitzerin hat später ihr Recht geltend gemacht und mir gekündigt.

    Aber emotional wollte ich dort bleiben.

    Ich war traurig, als sie mir gekündigt hat. Ich habe darum gekämpft, bleiben zu dürfen. Ich habe Lösungen gesucht. Ihr Sohn hat recherchiert, bei der Gemeinde nachgefragt, und tatsächlich wäre es möglich gewesen, dort zu bleiben. Mein Tiny House auf Rädern gilt – wenn man es auf einem Campingplatz abstellt – rechtlich ähnlich wie ein Wohnmobil. Ich hätte nur alle zwei Jahre den TÜV machen müssen.

    Trotzdem ist sie abwehrend geblieben. Unflexibel. Kalt. Teilweise hasserfüllt. Als hätte ich ihr etwas weggenommen. Ich weiß bis heute nicht, was sie in mir gesehen hat.

    Es ist wirklich schade, dass es nicht geklappt hat. Und ja: Ohne weiter nach oben zu ziehen hätte ich dort auf Dauer ohnehin nicht bleiben können. Unten an der Straße war es klar, dass immer wieder neugierige oder betrunkene Menschen um mein Haus geschlichen sind, besonders nachts. Das war belastend.

    Und trotzdem: Wenn sie mir nicht gekündigt hätte, wäre ich geblieben.

    Der Tegernsee ist eine traumhafte Gegend. Man geht aus dem Haus und steht sofort im Paradies. Man lebt im Paradies. Und genau das scheint für manche Menschen unerträglich zu sein.

    Wie kann ich nur die Frechheit haben, im Paradies leben zu wollen – mit so wenig Geld, so minimalistisch –, während andere Millionen für Grundstücke zahlen?

    Das geht nicht.
    Und genau darin spiegelt sich die Denkweise vieler Menschen wider.

    Damit schließt sich der Kreis.


    Eine Ermutigung an alle, die an sich zweifeln

    Und genau deshalb ist mir eines so wichtig:
    Menschen, die an sich zweifeln – nicht nur Frauen, nicht nur junge Menschen, nicht nur Menschen mit Missbrauchserfahrungen, sondern alle –, die sich jemals gefragt haben, ob sie ein Recht darauf haben, respektiert und akzeptiert zu werden: Ja. Das habt ihr.

    Gebt nicht auf.
    Sagt, was ihr wollt.
    Kommuniziert eure Grenzen.
    Sagt Stopp, wenn ihr Stopp meint.

    Nicht Augen zu und durch.
    Nicht Zähne zusammenbeißen und weitermachen.

    Wenn etwas für euch zu schwierig, zu belastend oder zu überfordernd ist: Sagt Nein. Wehrt euch. Geht weg. Verlasst die Situation.

    Und ärgert euch nicht über Menschen, die mutig genug sind, laut und deutlich ihre Meinung zu äußern. Lasst euch von ihnen inspirieren, eure eigene Stimme zu finden. Aber versucht nicht, sie zu ändern, damit sie sich anpassen und genauso leiden wie ihr.

    Denn Leiden ist nicht der Sinn des Lebens.
    Der Sinn des Lebens ist, diese Zeit hier zu genießen und etwas Sinnvolles daraus zu machen.

    Anderen Menschen helfen: ja.
    Sich selbst dafür aufgeben: nein.


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