1. Gottes Plan für mein Leben – und warum ich um 6 Uhr aufstehe
Gottes Plan für mein Leben – wie oft habe ich mich schon gefragt, wie dieser eigentlich aussieht und ob ich gerade wirklich auf dem richtigen Weg bin?
Dich erwartet heute eine überraschende Reise zwischen Krone und Hirtenstab: eine megatolle, lebensnahe Predigt von Leo Bigger, erstaunlich viele große und kleine Kronen aus meinem eigenen Leben, spannende Fragen über Gottes Plan für mein Leben, drei ermutigende Bibelstellen, meine ganz persönlichen Gedanken über Ziele, Geduld und das Dienen, ein wunderbar entspannendes Gebet zum Loslassen und zum Schluss ein kleiner Ausblick auf die nächste aufregende Frage: Woran erkenne ich eigentlich Gottes Ja – und wie gehe ich mit seinem Nein um?
Heute Morgen um 6 Uhr hätte ich auf diese Frage vermutlich erst einmal eine ziemlich verschlafene Antwort gegeben.
Denn eigentlich hätte ich noch ungefähr drei Stunden länger schlafen können. Wenn ich einfach nur zum Gottesdienst im ICF München hätte gehen wollen, hätte ich meinen Tag ganz gemütlich gegen 9 Uhr beginnen können.
Aber ich wollte nicht nur zum Gottesdienst.
Ich wollte mithelfen.
Also klingelte der Wecker um 6 Uhr – und sofort war der Zweifel da: Schaffe ich es wirklich aufzustehen?
Ich nehme abends Medikamente, die mir beim Ein- und Durchschlafen helfen. Das bedeutet aber auch, dass ich morgens nicht einfach aus dem Bett springen und meinen Tag beginnen kann. Die Chemie wirkt noch. Mein Körper sagt mir ziemlich deutlich, dass Liegenbleiben eine hervorragende Idee wäre.
Heute war aber gleichzeitig dieser andere Wille da.
Ich wollte aufstehen.
Ich wollte los.
Ich wollte dabei sein.
Und irgendwann heute habe ich mich gefragt: War das nur mein Wille? Oder könnte es vielleicht auch Gottes Wille gewesen sein?
Ich möchte mit solchen Aussagen vorsichtig sein. Nur weil ich etwas unbedingt möchte, bedeutet das schließlich noch lange nicht, dass Gott dasselbe möchte. Und nur weil mir etwas gelingt, ist das auch noch kein Beweis dafür, dass Gott persönlich alle Hindernisse aus dem Weg geräumt hat.
Aber ich darf wahrnehmen, was geschieht.
Und heute geschah etwas Interessantes: Ich kam aus dem Bett.
Ich holte beim Bäcker etwas für den Morgen und machte mich auf den Weg zum ICF.
Dort begann die gemeinsame Arbeit nicht einfach mit: So, Leute, hier sind die Kisten, legt los!
Wir begannen mit einer sogenannten Vision. Wir sangen gemeinsam Danke für diesen guten Morgen und beteten miteinander.
Und dann ging es an die Arbeit.
Jetzt durften der Heilige Geist, der gesunde Menschenverstand und ganz profan unsere Körperkraft zusammenarbeiten.
Dinge mussten bewegt und um Ecken herumgeschoben werden. Der Aufzug musste leergeräumt werden, damit er wieder fahren konnte. Gleichzeitig arbeitete das Putzteam daran, die Räume von den Spuren der vergangenen Disconacht zu befreien, und wir mussten versuchen, einander möglichst wenig im Weg zu stehen.
Was kann ich alleine tragen?
Wo brauche ich jemanden?
Was gehört wohin?
Wer macht was?
Ganz normale praktische Arbeit.
Und die Zeit verging dabei unglaublich schnell.
Irgendwann gab es Frühstück. Ein eigenes Team hatte etwas für die Helfer vorbereitet, damit wir uns zwischendurch stärken konnten.
Aber es war nicht nur das Essen.
Da waren Menschen.
Da waren kleine Gespräche während der Arbeit und beim Frühstück. Ein paar Worte hier, ein Gedanke dort. Man lernt einander langsam kennen. Man arbeitet gemeinsam an etwas, obwohl man sich teilweise noch kaum kennt.
Und dann waren wir auch noch viel früher fertig als geplant.
Dadurch konnten wir anschließend gemeinsam an einer weiteren Vision teilnehmen – einer kleinen Andacht für die Mitarbeiter mit Gebet.
Noch bevor der eigentliche Gottesdienst überhaupt angefangen hatte, hatte ich also schon gebetet, gesungen, gearbeitet, gelacht, Menschen getroffen, Gespräche geführt, etwas gegeben und gleichzeitig unglaublich viel bekommen.
Und genau da beginnt für mich die Frage nach Gottes Plan für mein Leben interessant zu werden.
Denn warum empfinde ich diese Mitarbeit nicht als zusätzliche Belastung?
Warum denke ich nach mehreren Stunden Arbeit nicht: So, jetzt habe ich aber genug für die anderen getan?
Warum fühle ich mich stattdessen beschenkt?
2. Ein leeres Glas – und Platz für den Heiligen Geist
Vielleicht beginnt die Antwort darauf gar nicht beim ICF.
Vor ungefähr drei Wochen war ich bei einer winzigen katholischen Andacht. Einschließlich mir waren gerade einmal fünf Menschen da.
Eine Klosterschwester gestaltete diese Andacht über den Glaubensweg Marias. Doch bevor sie überhaupt mit dem eigentlichen Thema begann, zeigte sie uns etwas, das mein persönliches Gebet seitdem verändert hat.
Sie bat uns, uns einige Minuten Zeit für Gott zu nehmen.
Wir sollten unsere Sorgen bei ihm abgeben.
Eine nach der anderen.
Nicht nur die großen.
Nicht nur die Sorgen, die gerade besonders laut sind.
Auch die nächste.
Und die nächste.
Bis zur letzten.
Bis wirklich nichts mehr übrig bleibt, das ich in diesem Moment selbst festhalten möchte.
Das Bild, das sich daraus für mich entwickelt hat, ist das eines leeren Glases.
Wenn ich meine Sorgen bei Gott abgebe, werde ich innerlich leer.
Aber nicht leer im Sinne von erschöpft, ausgebrannt oder hoffnungslos.
Ich werde leer und bereit.
Bereit für Gottes Wort.
Bereit für den Heiligen Geist.
Bereit für Kraft.
Bereit für Liebe.
Bereit für Begeisterung.
Und genau das habe ich damals in dieser kleinen katholischen Andacht erlebt. Nachdem ich tatsächlich versucht hatte, auch noch die letzte Sorge bei Gott abzugeben, saß ich dort in dieser wunderschönen Kirche und war plötzlich unglaublich glücklich und erfüllt.
Seitdem begleitet mich diese Art des Betens.
Und ich merke immer deutlicher: Wenn Gott mein leeres Glas füllt, passiert bei mir irgendwann etwas.
Es läuft über.
Da ist so viel Dankbarkeit, Kraft und Begeisterung, dass ich nicht alles für mich behalten möchte.
Ich möchte etwas davon weitergeben.
Vielleicht erklärt genau das, warum ich heute Morgen um 6 Uhr aufstehen wollte.
Ich kann momentan nicht einfach große Geldbeträge spenden. Aber Geld ist schließlich nicht das Einzige, was ein Mensch geben kann.
Ich habe Zeit.
Ich habe Kraft.
Ich habe Hände, die etwas tragen können.
Ich habe Ideen.
Ich habe Begeisterung.
Und ich kann mich einbringen.
Vielleicht ist das eine Möglichkeit, mein übervolles Glas ein kleines bisschen überlaufen zu lassen.
Und das Verrückte daran ist: Während ich etwas davon weitergebe, wird es offenbar nicht leerer.
Durch gemeinsames Gebet, durch Begegnungen und Gespräche, durch neue Gedanken und durch den Gottesdienst bekomme ich schon wieder etwas geschenkt.
Vielleicht funktioniert Geben mit Gott manchmal anders, als ich bisher dachte.
3. Mein erster Gottesdienst im ICF – und ausgerechnet Leo Bigger
Dabei bin ich noch gar nicht lange im ICF.
Der Gottesdienst vor einer Woche war tatsächlich mein erster Gottesdienst dort, den ich persönlich vor Ort miterlebt habe.
Und manchmal habe ich wirklich das Gefühl, dass Gott Humor hat.
Denn wer predigte ausgerechnet bei meinem allerersten ICF-Gottesdienst?
Leo Bigger.
Ich höre seine Predigten schon lange und mag ihn unglaublich gerne. Was mich an ihm besonders begeistert, ist seine eigene Begeisterung und seine Liebe zu Gott.
Er kann von Gott sprechen, ohne dass Gott dabei wie ein abstraktes theologisches Thema wirkt.
Der Glaube landet mitten im Leben.
Und diese Begeisterung kann ich unglaublich gut nachempfinden.
Manchmal wirkt Leo Bigger auf mich fast wie ein Motivationstrainer, den Gott vorbeigeschickt hat.
Vielleicht ist er ja sogar ein Engel?
Na ja.
Zumindest entspricht er nicht unbedingt meiner Vorstellung von einem herkömmlichen Engel. Und darüber bin ich eigentlich ganz froh.
Wenn plötzlich ein leuchtendes himmlisches Wesen vor mir stehen würde, wäre das für mein schwaches Herz vermutlich ein bisschen viel. Wahrscheinlich würde ich erst einmal in Ohnmacht fallen und von der eigentlichen Botschaft überhaupt nichts mitbekommen.
Da ist mir ein wunderbar menschlicher Leo Bigger doch lieber.
Und ausgerechnet bei meinem ersten Gottesdienst im ICF hielt dieser Mensch eine Predigt, deren Bedeutung für mich eine Woche später noch einmal ganz anders aussehen sollte.
Es ging um Durchbrüche.
Es ging um David.
Es ging um Bestimmung.
Es ging um eine Krone.
Und es ging um einen Hirtenstab.
Eine Woche später stehe ich selbst morgens früh im ICF, helfe beim Aufbau und frage mich:
Was ist eigentlich Gottes Plan für mein Leben?
Brauche ich die Krone?
Oder sollte ich lernen, meinen Hirtenstab zu lieben?
Bevor ich erzähle, welche Gedanken diese Predigt bei mir ausgelöst hat, möchte ich zunächst zusammenfassen, worum es darin überhaupt ging.
Direkt unter dieser Zusammenfassung verlinke ich die vollständige Predigt als Video. So kannst du Leo Bigger selbst zuhören und dir dein eigenes Bild davon machen, bevor ich anschließend erzähle, was seine Worte mit meinen ganz persönlichen Kronen und Hirtenstäben zu tun haben.
Und bleib gerne bis zum Ende dabei: Dort wartet noch ein wunderbar entspannendes Gebet auf dich, mit dem du deine eigenen Sorgen, Ziele und vielleicht auch die eine oder andere Krone für einen Moment bei Gott ablegen kannst.
Natürlich kannst du diesen Artikel wie immer in sechs Sprachen lesen – und wenn du gerade eine Fremdsprache lernst, sogar zwei Sprachversionen direkt nebeneinander.
Dazu klickst du unter dem Titel des Artikels mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Sprache und wählst im Menü den dritten Punkt „In geteilter Ansicht öffnen“. Schon kannst du deine Muttersprache und die Fremdsprache, die du gerade lernst, nebeneinander lesen.
4. Gottes Plan für mein Leben und die Predigt über Durchbrüche
Die Predigt von Leo Bigger trägt den Titel „Du bist gesalbt von Gott für Durchbrüche“.
Im Mittelpunkt steht David – und damit ein Mensch, dessen Geschichte wunderbar zu der Frage passt, die mich selbst beschäftigt: Was ist Gottes Plan für mein Leben, und was passiert eigentlich zwischen einer Berufung und ihrer Erfüllung?
Denn David bekommt nicht einfach eine Krone aufgesetzt und lebt fortan glücklich als König.
Sein Weg verläuft in Etappen.
Die erste Salbung: Gott sieht, was andere übersehen
Als der Prophet Samuel einen neuen König für Israel salben soll, werden ihm zunächst die Söhne Isais vorgestellt, denen man diese Aufgabe offenbar eher zutrauen würde.
David?
Der ist bei den Schafen.
Und genau ihn lässt Gott holen.
Das ist bereits ein wunderschöner Gedanke: Ein Mensch kann von anderen übersehen werden, ohne von Gott übersehen zu werden.
David wird gesalbt. Der Heilige Geist kommt über ihn. Seine Bestimmung scheint plötzlich klar zu sein.
König.
Krone.
Endlich!
Und was passiert anschließend?
David bekommt seinen Hirtenstab wieder in die Hand und geht zurück zu den Schafen.
Zurück zu den Schafen
Genau dieses Bild ist bei mir hängen geblieben.
Stell dir vor, du erfährst gerade, dass du zum König bestimmt bist – und anschließend lautet deine nächste Aufgabe:
So, und jetzt kümmerst du dich bitte wieder um die Schafe.
Leo Bigger beschreibt diese Zeit aber nicht als bedeutungslose Wartezeit.
Gerade dort muss David Kämpfe bestehen, die niemand sieht und für die ihm niemand dankt. Er schützt seine Schafe vor einem Löwen und einem Bären.
Und dort wird er vorbereitet.
Ein Gedanke aus der Predigt gefällt mir dabei besonders: Bevor Gott etwas durch einen Menschen bewegt, möchte er zunächst etwas in diesem Menschen bewegen.
Leo verwendet dafür immer wieder ein ungewöhnlich liebevolles Wort: Gott „liebt“ Dinge aus uns heraus, die uns im Weg stehen – zum Beispiel Stolz, Neid, Arroganz oder Rechthaberei.
Der Hirtenstab wird damit zum Symbol des Dienens, Lernens und Wachsens.
Auch Leo Bigger bekam erst einmal einen Hirtenstab
Besonders interessant wurde diese Geschichte für mich, als Leo von seinem eigenen Weg erzählte.
Er kam nach Zürich, um zu predigen.
Und seine erste große Aufgabe?
Das Ordnungsteam aufbauen.
Stühle aufstellen.
Toiletten reinigen.
Als Erster kommen.
Als Letzter gehen.
Das muss man sich einmal vorstellen: Man glaubt zu wissen, wozu man berufen ist, und dann sieht Gottes Plan für das eigene Leben zunächst vollkommen anders aus als erwartet.
Leo erzählt, dass er sich selbst gefragt hat, warum er nicht zum Predigen eingesetzt wurde, obwohl er doch genau dafür gekommen war.
Seine Schlussfolgerung aus dieser Zeit lautet aber nicht: Ich musste eben ein Jahr durchhalten, bis ich endlich wichtig genug war.
Viel entscheidender ist:
Dienen hört nicht auf.
Der Hirtenstab verschwindet nicht, sobald irgendwann eine größere Verantwortung kommt.
Die zweite Salbung: Leidenschaft – aber noch nicht alles
Nach Jahren kommt der nächste Schritt in Davids Geschichte.
David wird König – aber zunächst nur über einen Teil Israels.
Auch das finde ich spannend.
Manchmal sehen wir vielleicht schon etwas von Gottes Plan für unser Leben. Wir haben eine Leidenschaft, eine Begabung oder einen Traum und denken:
Ja! Genau das ist es!
Und trotzdem bekommen wir zunächst nur einen kleinen Teil davon anvertraut.
Nicht alles.
Noch nicht.
Leo verbindet damit einen weiteren Gedanken: Was Gott uns anvertraut, sollen wir nicht dadurch ausfüllen, dass wir versuchen, jemand anderes zu werden.
Wir dürfen unseren eigenen Stil finden.
Unsere eigenen Begabungen einsetzen.
Unsere eigene Persönlichkeit mitbringen.
Die dritte Salbung: Das Versprechen erfüllt sich
Erst viele Jahre nach seiner ersten Salbung wird David schließlich König über ganz Israel.
Die Krone ist da.
Das Versprechen scheint erfüllt.
Aber damit beginnt nicht plötzlich ein Leben ohne Schwierigkeiten.
Im Gegenteil.
Mit größerer Verantwortung kommen neue Herausforderungen.
Und damit bekommt das Bild von Krone und Hirtenstab für mich eine Bedeutung, die ich zunächst gar nicht gesehen hatte.
Es geht nicht darum:
Hirtenstab weg – Krone her.
Es geht um beides.
Die Krone steht in der Predigt auch für unsere Identität als Kinder Gottes.
Der Hirtenstab steht für das Dienen.
Und den Hirtenstab, so sagt Leo am Ende der Predigt sinngemäß, legen wir nicht ab, sobald wir endlich eine Krone tragen.
Das Dienen hört nicht auf.
Vielleicht ist der Durchbruch etwas anderes, als ich dachte
Auch deshalb bedeutet „Durchbruch“ in dieser Predigt für mich nach dem erneuten Anhören nicht einfach:
Endlich habe ich mein großes Ziel erreicht.
Ein Durchbruch kann auch darin bestehen, dass Gott mich verändert.
Dass ich dienen lerne.
Dass ich Geduld lerne.
Dass etwas aus mir herausgeliebt wird, das mir im Weg steht.
Dass ich einen kleinen Teil einer Aufgabe bekomme und ihn annehme, obwohl ich von etwas Größerem träume.
Dass ich Kämpfe bestehe, die niemand sieht.
Und dass ich irgendwann erkenne:
Vielleicht war die Zeit mit dem Hirtenstab niemals verlorene Zeit.
5. Die vollständige Predigt von Leo Bigger
Das war natürlich nur meine kurze Zusammenfassung – und bereits darin steckt meine persönliche Auswahl dessen, was mich besonders angesprochen hat.
Deshalb hör dir die Predigt am besten selbst an und entdecke, welche Gedanken bei dir hängen bleiben:
Leo Bigger: Du bist gesalbt von Gott für Durchbrüche
Und danach wird es persönlich.
Denn während ich Leo noch einmal zugehört habe, musste ich plötzlich an all die Kronen denken, nach denen ich in meinem eigenen Leben schon gegriffen habe.
Und da waren einige dabei.

6. Meine vielen Kronen – gehören sie zu Gottes Plan für mein Leben?
Während ich die Predigt noch einmal angehört habe, musste ich plötzlich über die vielen Kronen nachdenken, die ich in meinem Leben schon unbedingt haben wollte.
Und das waren ganz schön viele.
Ich wollte die beste Mutter aller Zeiten werden.
Ich wollte die beste Tochter aller Zeiten sein.
Ich wollte eine so gute Schülerin werden, dass ich auf ein United World College gehen könnte, um dort internationale Erfahrungen zu sammeln und später Menschen in Not zu helfen.
Dafür wollte ich gleichzeitig hervorragende Noten haben, sozial und im Umweltbereich engagiert sein, meinen musikalischen Interessen nachgehen und natürlich Sprachen lernen.
Nur eines bekam ich nicht hin: mit genügend Disziplin am Schreibtisch zu sitzen und tatsächlich so viel zu lernen, wie es für dieses große Ziel nötig gewesen wäre.
Die Krone bekam ich nicht.
Aber war deshalb alles wertlos, was auf dem Weg dorthin passiert ist?
Ganz im Gegenteil.
Ich wurde in diesem Jahr in der Schule immer besser. Besonders in Französisch machte ich große Fortschritte. Ich sammelte Erfahrungen, entdeckte Interessen und lernte einiges über mich selbst.
Später wollte ich bei einer internationalen Organisation nicht einfach ein bisschen mitmachen. Ich konnte mir vorstellen, irgendwann eine der leitenden Aktivistinnen zu werden.
Der Anfang sah sogar vielversprechend aus. Ich wurde herzlich aufgenommen, bekam Aufmerksamkeit und man traute mir schon sehr früh zu, ein Referat zu einem Thema vorzubereiten.
Und dann scheiterte meine große Vision an etwas unglaublich Alltäglichem.
Ich hatte noch keinen Führerschein.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln waren die Treffen schwierig zu erreichen, und ich schaffte es nicht, regelmäßig eine Mitfahrgelegenheit zu organisieren.
Nach wenigen Monaten verlor ich den Anschluss.
Wieder keine Krone.
Und wenn ich heute weitersuche, finde ich noch viel mehr davon.
Ich möchte die Welt bereisen – und bin bisher noch nicht einmal aus Europa herausgekommen.
Ich möchte zwanzig Sprachen lernen – und bin bisher bei ungefähr sechseinhalb angekommen.
Ich möchte Autorin sein – und meine beiden begonnenen Romane warten darauf, weitergeschrieben und fertiggestellt zu werden.
Ich möchte vollkommen frei von Süchten und Abhängigkeiten leben.
Bei Alkohol und Zigaretten habe ich unglaublich viel erreicht.
Aber dann bleiben andere Fragen: Was ist mit Zucker? Was ist mit meinem Umgang mit Fernsehen und Filmen? Wo beginnt Genuss, und wo wird etwas wieder zu einer Abhängigkeit?
Und natürlich gibt es Ziele, bei denen ein nicht erreichtes Ziel viel tiefer schmerzt als bei einer Sprache, einer Reise oder einem Projekt.
Ich wollte die beste Mutter sein.
Ich wollte die beste Tochter sein.
Das Leben hat mir gerade dort gezeigt, wie wenig sich manche Kronen erzwingen lassen.
Also was mache ich jetzt mit all diesen Kronen?
Werfe ich sie weg?
Höre ich auf, große Ziele zu haben, damit ich nie wieder enttäuscht werden kann?
Das fühlt sich für mich genauso falsch an.
Vielleicht liegt das Problem gar nicht darin, dass ich nach Kronen greife.
Vielleicht muss ich etwas anderes lernen.
7. Vielleicht fehlt mir nicht die Krone, sondern Geduld
Vielleicht ist eine Krone nicht automatisch falsch, nur weil sie noch nicht auf meinem Kopf sitzt.
Dieser Gedanke verändert für mich einiges.
Ich möchte meine Romane fertigschreiben.
Ich möchte weitere Sprachen lernen.
Ich möchte noch unglaublich viel von der Welt sehen.
Ich möchte Menschen helfen.
Ich möchte mich weiterentwickeln.
Ich möchte Dinge in meinem Leben verändern, von denen ich weiß, dass sie mir nicht guttun.
Warum sollte ich diese Ziele aufgeben?
Vielleicht muss ich nur aufhören zu glauben, dass das Ziel wertvoller ist als der Weg dorthin.
Vielleicht darf ich auf dem Weg zur Krone sein.
Vielleicht darf dieser Weg Jahre dauern.
Vielleicht darf ich Umwege machen.
Vielleicht darf ich stolpern.
Vielleicht darf ich mich zwischendurch sogar verirren, neu orientieren und anschließend weitergehen.
Und vielleicht brauche ich dafür etwas, das meiner Begeisterung manchmal ziemlich schwerfällt:
Geduld.
Ich bin schnell begeistert.
Wenn ich eine Idee habe, möchte ich loslegen.
Wenn ich ein Ziel sehe, möchte ich dorthin.
Wenn ich glaube, eine Möglichkeit entdeckt zu haben, möchte ich sie am liebsten sofort nutzen.
Aber Gottes Plan für mein Leben muss sich nicht meinem persönlichen Zeitplan unterwerfen.
David wurde schließlich auch nicht gesalbt und bekam am nächsten Morgen seinen Thron.
Dazwischen lag Leben.
Dazwischen lagen die Schafe.
Dazwischen lagen Kämpfe.
Dazwischen lag Entwicklung.
Vielleicht besteht Geduld deshalb nicht darin, unglücklich irgendwo herumzusitzen und darauf zu warten, dass endlich mein richtiges Leben beginnt.
Vielleicht bedeutet Geduld, schon den Weg zu leben.
Ich darf mich auf meine Krone freuen und trotzdem den Hirtenstab in meiner Hand wahrnehmen.
Ich darf ein Ziel haben und trotzdem heute glücklich sein.
Ich darf wissen, wohin ich möchte, ohne jeden Schritt dorthin nur danach zu bewerten, wie schnell er mich ans Ziel bringt.
Und vielleicht entdecke ich auf diesem Weg sogar etwas Überraschendes:
Mancher Hirtenstab könnte längst eine Krone sein.
8. Ist mein Hirtenstab vielleicht schon eine Krone?
Nehmen wir meine Mitarbeit im Aufbauteam.
Von außen betrachtet passt das Bild aus der Predigt beinahe schon verdächtig gut.
Leo Bigger kommt nach Zürich, weil er predigen soll – und bekommt erst einmal Stühle und Toiletten.
David wird zum König gesalbt – und bekommt wieder seine Schafe.
Und ich?
Ich komme voller Begeisterung ins ICF und helfe erst einmal dabei, Dinge durch eine ehemalige Disco zu schieben.
Hirtenstab gefunden!
Aber Moment.
Warum sollte das eigentlich nur der Hirtenstab sein?
Warum sollte ich annehmen, dass irgendwann noch eine Krone kommen muss, damit diese Aufgabe ihren eigentlichen Wert bekommt?
Vielleicht habe ich heute Morgen längst Kronen bekommen.
Da sind zunächst die Menschen.
Menschen, mit denen ich gemeinsam arbeite.
Menschen, die ich langsam kennenlerne.
Menschen, mit denen zwischendurch ein paar Worte gewechselt werden und mit denen nach getaner Arbeit plötzlich Gespräche entstehen, die weit über das Aufbauen hinausgehen.
Einige dieser Gespräche haben mich heute dazu gebracht, über meinen eigenen Glauben nachzudenken.
Warum bin ich eigentlich katholisch?
Warum fühle ich mich gleichzeitig in einer Freikirche so wohl?
Was bedeutet christliche Gemeinschaft für mich?
Was ist Gottes Plan für mein Leben?
Was ist eine Krone?
Was ist ein Hirtenstab?
Und wie erkenne ich eigentlich Gottes Willen?
Aus einem Gespräch entsteht ein Gedanke.
Aus einem Gedanken vielleicht ein Gebet.
Aus einem Gebet vielleicht eine Veränderung.
Und aus einem Gedanken entsteht manchmal ein Blogartikel, den ein anderer Mensch liest und der ihn wiederum dazu bringt, über seinen eigenen Glauben nachzudenken.
Wo genau ist in dieser Kette eigentlich der unbedeutende Teil?
Und dann ist da noch etwas, das mir gerade sehr wichtig ist.
Ich kann momentan nicht einfach viel Geld geben.
Aber ich kann etwas anderes geben.
Ich kann Zeit geben.
Ich kann Kraft geben.
Ich kann meine Hände benutzen.
Ich kann meine Begeisterung mitbringen.
Ich kann zuhören.
Ich kann mitdenken.
Ich kann mit anderen beten.
Und ich kann mich darüber freuen, dass etwas von dem, womit Gott mein Glas füllt, bei anderen Menschen ankommen darf.
Vielleicht habe ich deshalb das Bild von Krone und Hirtenstab zunächst viel zu hierarchisch verstanden.
Der Hirtenstab ist unten.
Die Krone ist oben.
Der Hirtenstab ist die Vorbereitung.
Die Krone ist das Ziel.
Der Hirtenstab bedeutet Arbeit.
Die Krone bedeutet: Geschafft!
Aber was, wenn Gottes Plan für mein Leben gar nicht so funktioniert?
Was, wenn Dienen selbst eine Krone sein kann?
Was, wenn ein wertvolles Gespräch eine Krone ist?
Was, wenn Gemeinschaft eine Krone ist?
Was, wenn das Gefühl, etwas geben zu können, eine Krone ist?
Was, wenn ein neuer Gedanke, der durch eine Begegnung entsteht und später vielleicht einem anderen Menschen hilft, eine Krone ist?
Dann muss ich meine Krone vielleicht nicht irgendwann in ferner Zukunft erreichen.
Vielleicht liegen auf meinem Weg überall kleine Kronen herum.
Und vielleicht besteht ein Teil von Gottes Plan für mein Leben darin, endlich aufzuhören, ständig über sie hinwegzusteigen, nur weil ich am Horizont eine größere Krone entdeckt habe.

9. Wie erkenne ich Gottes Plan für mein Leben?
Und da sind wir bei einer Frage, die mich schon länger beschäftigt:
Wie erkenne ich überhaupt Gottes Plan für mein Leben?
Ist eine offene Tür automatisch ein Ja von Gott?
Ist eine geschlossene Tür ein Nein?
Ist etwas Gottes Wille, wenn es sich leicht anfühlt?
Oder kann gerade der schwierige Weg der richtige sein?
Wenn ich nur danach gehen würde, ob Hindernisse auftauchen, hätte ich ein Problem. Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, könnten schließlich kaum daraus schließen, dass sie auf dem falschen Weg sind, nur weil ihnen gewaltige Hindernisse begegnen.
Und auch Davids Geschichte spricht dagegen.
Er wird gesalbt – und trotzdem führt sein Weg nicht geradewegs zum Thron.
Also brauche ich offenbar mehr als offene Türen und ein gutes Gefühl.
Vielleicht darf ich darauf achten, welche Früchte ein Weg trägt.
Vielleicht darf ich beten.
Vielleicht darf ich darauf achten, ob das, was ich tun möchte, mit dem vereinbar ist, was Jesus uns vorgelebt hat.
Vielleicht darf ich auf andere Menschen hören, ohne ihnen die Verantwortung für meine Entscheidungen zu überlassen.
Vielleicht darf ich meinen gesunden Menschenverstand benutzen.
Und vielleicht brauche ich manchmal einfach Zeit.
Denn manches erkenne ich möglicherweise erst im Rückblick.
Mit genau dieser Frage habe ich mich erst vor Kurzem ausführlicher beschäftigt. Wenn du gerade selbst überlegst, wie du Gottes Willen erkennen kannst, findest du meine bisherigen Gedanken hier:
Heute möchte ich noch einen Schritt weitergehen.
Denn vielleicht muss ich Gottes Plan für mein Leben gar nicht vollständig erkennen, bevor ich anfangen kann, ihn zu leben.
Vielleicht reicht für heute die Frage:
Was ist mir jetzt anvertraut?
Drei Bibelstellen helfen mir dabei besonders.
10. Drei Bibelstellen für Krone, Hirtenstab und Gottes Plan
Was ich tue, darf ich von Herzen tun
Die erste Stelle nimmt für mich etwas von der Hierarchie zwischen scheinbar wichtigen und unwichtigen Aufgaben weg.
„Alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen.“
Kolosser 3,23
Da steht nicht: Alles Spektakuläre, was ihr tut.
Nicht: Alles, wofür euch jemand bewundert.
Nicht: Alles, was später im Lebenslauf beeindruckend aussieht.
Alles.
Das verändert meinen Blick auf einen Hirtenstab.
Wenn ich etwas von Herzen für Gott tue, muss die Aufgabe nicht groß sein, damit sie Bedeutung bekommt.
Dann können auch Tragen, Schieben, Aufbauen, Zuhören und ein paar freundliche Worte wertvoll sein.
Vielleicht muss ich nicht fragen:
Wie wichtig ist diese Aufgabe?
Vielleicht darf ich fragen:
Mit welcher Haltung tue ich sie?
Ich habe etwas bekommen, damit ich etwas geben kann
Die zweite Bibelstelle passt für mich wunderbar zu meinem Bild vom leeren Glas, das von Gott gefüllt wird und irgendwann überfließt.
„Dient einander, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als gute Haushalter der vielfältigen Gnade Gottes.“
- Petrus 4,10
Ich muss nicht das geben, was jemand anderes besitzt.
Ich muss auch nicht erst darauf warten, irgendwann genug von allem zu haben.
Ich darf fragen:
Was habe ich bekommen?
Und was davon kann ich heute weitergeben?
Momentan kann ich nicht viel Geld geben.
Aber ich kann Zeit geben.
Ich kann Kraft geben.
Ich kann Begeisterung geben.
Ich kann zuhören.
Ich kann schreiben.
Ich kann meine Erfahrungen teilen.
Ich kann beten.
Und ein anderer Mensch bringt wiederum etwas vollkommen anderes mit.
Vielleicht besteht Gemeinschaft gerade darin, dass keiner alles können und keiner alles geben muss.
Ein Körper braucht nicht nur Augen
Und genau dazu passt die dritte Stelle.
Paulus beschreibt die christliche Gemeinschaft mit dem Bild eines Körpers. Kein Körper besteht nur aus einem einzigen Körperteil. Gerade die Verschiedenheit macht ihn funktionsfähig.
Ein Satz daraus gefällt mir für meine Krone-und-Hirtenstab-Frage besonders:
„Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo bliebe das Gehör? Wenn er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruch?“
- Korinther 12,17
Vielleicht ist genau das eine Antwort auf meinen Wunsch, immer wieder die ganz besondere Krone erreichen zu wollen.
Nicht jeder muss vorne stehen.
Nicht jeder muss predigen.
Nicht jeder muss organisieren.
Nicht jeder muss schreiben.
Nicht jeder muss die schweren Dinge tragen.
Nicht jeder muss dieselbe Aufgabe haben.
Und vor allem:
Verschiedenheit ist kein Ranking.
Das Auge ist nicht der Gewinner und der Fuß nicht der Verlierer.
Der Prediger ist nicht automatisch wichtiger als der Mensch, der morgens dafür sorgt, dass überhaupt alles bereitsteht.
Das Aufbauteam ist nicht die unterste Stufe einer Leiter, auf der man sich möglichst schnell nach oben arbeiten sollte.
Wir brauchen einander.
Vielleicht liegt ein Teil von Gottes Plan für mein Leben deshalb gar nicht darin, die höchste Position zu finden.
Vielleicht geht es darum, meinen Platz zu finden – und gleichzeitig zu erkennen, dass sich dieser Platz im Laufe meines Lebens auch verändern darf.
11. Brauche ich überhaupt große Ziele?
Bleibt trotzdem eine Frage:
Brauche ich meine großen Ziele noch?
Nach all meinen nicht erreichten Kronen könnte ich natürlich beschließen, einfach keine mehr haben zu wollen.
Keine großen Erwartungen.
Keine großen Träume.
Keine Enttäuschungen.
Ein bisschen hier helfen.
Ein bisschen dort machen.
Nichts wirklich versuchen – dann kann auch nichts wirklich scheitern.
Aber dieser Gedanke gefällt mir überhaupt nicht.
Ich möchte meine Romane fertigschreiben.
Ich möchte weitere Sprachen lernen.
Ich möchte reisen und noch unglaublich viel entdecken.
Ich möchte Menschen helfen.
Ich möchte mich weiterentwickeln.
Ich möchte meine Begabungen nicht irgendwo vorsichtshalber verstecken, nur damit ich niemals erleben muss, dass ein Traum nicht genauso wahr wird, wie ich ihn mir vorgestellt habe.
Vielleicht muss ich also nicht lernen, weniger zu träumen.
Vielleicht muss ich lernen, geduldiger zu träumen.
Das ist etwas anderes.
Ich darf eine Krone am Horizont sehen und auf sie zugehen.
Aber ich muss nicht jeden Morgen kontrollieren, warum sie immer noch nicht auf meinem Kopf sitzt.
Ich darf unterwegs sein.
Ich darf lernen.
Ich darf Umwege gehen.
Ich darf mich korrigieren.
Ich darf mich verändern.
Vielleicht verändert sich unterwegs sogar die Krone.
Und vor allem darf ich den Weg genießen.
Warum sollte der Weg zu meinem Ziel weniger wert sein als der Augenblick, in dem ich es erreiche?
Ein Roman besteht nicht nur aus dem Moment, in dem ich irgendwann auf „Veröffentlichen“ klicke.
Eine Sprache besteht nicht nur aus dem Moment, in dem ich ein bestimmtes Niveau erreicht habe.
Eine Reise besteht nicht nur aus dem Ankommen.
Und ein Leben besteht nicht nur aus erreichten Zielen.
Vielleicht ist Geduld deshalb ein viel wichtigerer Bestandteil von Gottes Plan für mein Leben, als ich bisher gedacht habe.
Nicht die resignierte Geduld eines Menschen, der sagt:
Dann sitze ich eben hier und warte.
Sondern eine lebendige Geduld:
Ich gehe weiter.
Ich tue heute, was ich tun kann.
Ich nehme meinen Hirtenstab.
Ich freue mich über die Kronen, die ich unterwegs schon entdecke.
Und ich vertraue darauf, dass ich nicht heute wissen muss, wie die ganze Geschichte ausgeht.
Vielleicht ist meine Aufgabe nicht, meine Krone möglichst schnell zu erreichen.
Vielleicht darf ich einfach auf dem Weg zu ihr sein.
Und vielleicht besteht ein gelungenes Leben nicht darin, am Ende möglichst viele Kronen gesammelt zu haben.
Vielleicht besteht es darin, auf dem ganzen Weg nicht zu vergessen, warum ich überhaupt unterwegs bin.
12. Gebet zur Entspannung: Gott, ich vertraue deinem Plan
Vielleicht hast auch du eine Krone vor Augen.
Vielleicht gibt es etwas, das du unbedingt erreichen möchtest. Vielleicht wartest du schon lange darauf. Vielleicht bist du ungeduldig geworden. Vielleicht fragst du dich sogar, ob du gescheitert bist, weil dein Leben heute noch nicht so aussieht, wie du es dir einmal vorgestellt hast.
Dann möchte ich dich einladen, für einen Moment nichts erreichen zu müssen.
Mach es dir bequem.
Atme ruhig ein.
Atme langsam wieder aus.
Und stell dir vor, du hältst all deine Sorgen, Wünsche, Pläne und Ziele in deinen Händen.
Du musst sie nicht wegwerfen.
Du darfst sie Gott hinhalten.
Eine nach der anderen.
Bis deine Hände leer sind.
Bis dein Glas leer ist.
Und dann darfst du einfach empfangen.
Lass uns beten
Lieber Gott,
ich komme zu dir mit allem, was ich bin.
Mit meinen Träumen.
Mit meinen Plänen.
Mit meinen Zielen.
Mit meinen Hoffnungen.
Mit meinen unerfüllten Wünschen.
Mit meiner Ungeduld.
Ich gebe dir meine Sorge, nicht schnell genug zu sein.
Ich gebe dir meine Sorge, nicht genug erreicht zu haben.
Ich gebe dir meine Sorge, eine Gelegenheit zu verpassen.
Ich gebe dir meine Sorge, den falschen Weg zu gehen.
Ich gebe dir meine Sorge, deinen Plan für mein Leben nicht zu erkennen.
Ich gebe dir meine Sorge, dass andere längst weiter sind als ich.
Ich gebe dir meine Sorge, dass meine Krone vielleicht niemals kommt.
Eine Sorge nach der anderen lege ich bei dir ab.
Bis auch die letzte nicht mehr in meinen Händen liegt.
Nicht meine Krone. Dein Weg.
Nicht meine Eile. Deine Zeit.
Ich danke dir für das, was schon da ist.
Ich danke dir für meine Begabungen.
Ich danke dir für meine Träume.
Ich danke dir für meine Kraft.
Ich danke dir für meine Begeisterung.
Ich danke dir für die Menschen, die meinen Weg kreuzen.
Ich danke dir für Gespräche, die mich verändern.
Ich danke dir für Türen, die sich öffnen.
Ich danke dir auch für die Wege, deren Sinn ich heute noch nicht verstehe.
Nicht meine Krone. Dein Weg.
Nicht meine Eile. Deine Zeit.
Lieber Gott,
wenn mein Glas jetzt leer geworden ist, dann fülle du es.
Fülle mich mit deinem Heiligen Geist.
Fülle mich mit deiner Liebe.
Fülle mich mit deiner Kraft.
Fülle mich mit deiner Freude.
Fülle mich mit deiner Begeisterung.
Fülle mich mit Vertrauen.
Fülle mich mit Geduld.
Fülle mich mit dem Frieden, nicht heute schon wissen zu müssen, wo ich morgen stehen werde.
Nicht meine Krone. Dein Weg.
Nicht meine Eile. Deine Zeit.
Zeige mir, was heute vor mir liegt.
Zeige mir, wo meine Hände gebraucht werden.
Zeige mir, wem ich zuhören darf.
Zeige mir, wem ich Mut machen kann.
Zeige mir, wo ich meine Begabungen einsetzen kann.
Zeige mir, wann ich handeln soll.
Zeige mir, wann ich warten darf.
Zeige mir, welche Tür ich öffnen darf.
Zeige mir, welche Tür ich nicht mit Gewalt aufbrechen muss.
Und wenn ich heute nur einen Hirtenstab in der Hand halte, dann hilf mir, ihn nicht geringzuschätzen.
Nicht meine Krone. Dein Weg.
Nicht meine Eile. Deine Zeit.
Schenke mir Geduld für den Weg.
Schenke mir Freude am Lernen.
Schenke mir Freude am Wachsen.
Schenke mir Freude am Dienen.
Schenke mir Freude an kleinen Schritten.
Schenke mir Freude an den Kronen, die ich unterwegs längst bekommen habe.
Schenke mir den Mut, große Träume zu behalten, ohne mein Glück von ihnen abhängig zu machen.
Schenke mir das Vertrauen, dass mein Leben nicht erst dann wertvoll wird, wenn ich ein bestimmtes Ziel erreicht habe.
Nicht meine Krone. Dein Weg.
Nicht meine Eile. Deine Zeit.
Und wenn mein Glas wieder voll wird, lieber Gott,
dann lass es überfließen.
Lass deine Liebe überfließen.
Lass deine Freude überfließen.
Lass deine Kraft überfließen.
Lass deine Begeisterung überfließen.
Nicht damit ich größer werde.
Nicht damit ich wichtiger werde.
Nicht damit andere meine Krone sehen.
Sondern damit etwas von dem, was du mir schenkst, bei einem anderen Menschen ankommt.
Vielleicht durch meine Hände.
Vielleicht durch meine Worte.
Vielleicht durch meine Zeit.
Vielleicht durch mein Zuhören.
Vielleicht durch mein Gebet.
Vielleicht einfach dadurch, dass ich da bin.
Nicht meine Krone. Dein Weg.
Nicht meine Eile. Deine Zeit.
Ich muss heute nicht am Ziel sein.
Ich darf unterwegs sein.
Ich muss heute nicht alles verstehen.
Ich darf vertrauen.
Ich muss heute nicht wissen, welche Krone auf mich wartet.
Ich darf meinen Hirtenstab nehmen und den nächsten Schritt gehen.
Mit dir.
In deinem Tempo.
Auf deinem Weg.
Deine Krone. Dein Weg.
Deine Liebe. Deine Zeit.
Und ich darf mit dir gehen.
Amen.

13. Vielleicht stehst du gerade bei den Schafen
Vielleicht hast du beim Lesen längst an deine eigene Krone gedacht.
An einen Beruf, den du unbedingt haben möchtest.
An eine Beziehung, nach der du dich sehnst.
An eine Familie.
An ein Projekt.
An eine Reise.
An eine Aufgabe, von der du glaubst, dass sie genau zu dir gehört.
Vielleicht weißt du sogar ziemlich genau, wohin du möchtest – und trotzdem stehst du gefühlt noch immer bei den Schafen.
Dann möchte ich dir Mut machen.
Dein Leben beginnt nicht erst dort, wo deine Krone liegt.
Es findet jetzt statt.
Vielleicht lernst du gerade etwas, das du später brauchen wirst.
Vielleicht begegnest du gerade Menschen, denen du sonst niemals begegnet wärst.
Vielleicht entwickelst du Fähigkeiten, von denen du noch gar nicht weißt, wofür du sie einmal einsetzen wirst.
Vielleicht verändert Gott gerade etwas in dir, bevor er etwas durch dich bewegt.
Und vielleicht ist noch etwas ganz anderes möglich:
Vielleicht hältst du etwas für einen Hirtenstab, das längst eine Krone ist.
Ein Mensch, dem du heute helfen konntest.
Ein Gespräch, das euch beide weitergebracht hat.
Eine Aufgabe, die niemand besonders spektakulär findet, die aber erledigt werden muss.
Eine Stunde deiner Zeit.
Ein ehrliches Gebet.
Eine Hand, die mit anpackt.
Ein offenes Ohr.
Ein bisschen Begeisterung, die auf einen anderen Menschen überspringt.
Wir müssen nicht alle dasselbe tun.
Wir müssen nicht alle vorne stehen.
Und wir müssen schon gar nicht gegeneinander antreten, um herauszufinden, wer von uns die schönste Krone bekommt.
Vielleicht dürfen wir viel öfter miteinander unterwegs sein.
Mit unterschiedlichen Begabungen.
Mit unterschiedlichen Aufgaben.
Mit unterschiedlichen Hirtenstäben.
Und mit einem gemeinsamen Gott.
14. Mein Fazit: Vielleicht hatte ich heute längst eine Krone auf
Und damit komme ich zurück zu diesem Sonntagmorgen.
6 Uhr.
Der Wecker klingelt.
Mein Körper hätte liebend gerne weitergeschlafen.
Für den Gottesdienst hätte ich noch mehrere Stunden Zeit gehabt.
Aber ich wollte aufstehen.
Ich wollte zum ICF.
Ich wollte mithelfen.
Ein paar Stunden später hatte ich Dinge getragen und geschoben, mich mit anderen abgesprochen, gemeinsam gesungen und gebetet, gefrühstückt, Menschen ein bisschen besser kennengelernt und Gespräche geführt, die mich noch auf dem Heimweg beschäftigt haben.
Und ich war nicht leer.
Ich war erfüllt.
Vielleicht habe ich heute tatsächlich einen Hirtenstab getragen.
Aber warum sollte ich darauf warten, dass mir irgendwann jemand eine Krone dafür gibt?
Vielleicht hatte ich sie längst auf.
Nicht als Auszeichnung.
Nicht als Zeichen dafür, dass ich wichtiger wäre als irgendjemand anderes.
Sondern weil ich etwas erleben durfte, das für mich unglaublich wertvoll ist:
Ich durfte dazugehören.
Ich durfte etwas geben.
Ich durfte etwas empfangen.
Und ich durfte erleben, wie aus beidem wieder etwas Neues entsteht.
Vielleicht ist das eine Erkenntnis, die ich aus dieser Predigt für Gottes Plan für mein Leben mitnehme:
Ich darf große Ziele haben.
Ich darf auf meine Kronen zugehen.
Aber ich möchte dabei nicht mehr über all die kleinen Kronen hinwegsteigen, die längst auf meinem Weg liegen.
Und vielleicht brauche ich gar nicht ständig zu fragen:
Wann bin ich endlich angekommen?
Vielleicht darf ich viel häufiger fragen:
Was darf ich heute erleben, lernen, geben und empfangen?
15. Und trotzdem bleiben Fragen offen
Natürlich habe ich Gottes Plan für mein Leben nach diesem Sonntag nicht plötzlich vollständig verstanden.
Im Gegenteil.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Fragen entstehen.
Wie erkenne ich, welches meiner großen Ziele wirklich zu mir gehört?
Wann brauche ich einfach Geduld?
Wann sollte ich weiterkämpfen?
Und wann ist es Zeit, einen Traum loszulassen?
Wann ist eine offene Tür tatsächlich ein Hinweis darauf, dass ich weitergehen sollte?
Wann ist sie einfach nur eine offene Tür?
Ist eine geschlossene Tür ein Nein von Gott?
Oder muss ich manchmal anklopfen, warten oder sogar einen schwierigen Weg gehen?
Wann ist mein Hirtenstab eine Vorbereitung auf etwas anderes?
Und wann sollte ich aufhören, auf etwas vermeintlich Größeres zu warten, weil der Hirtenstab längst meine wertvolle Aufgabe ist?
Wie unterscheide ich meine eigene Begeisterung von Gottes Führung?
Wie viel soll ich planen?
Wie viel darf ich einfach geschehen lassen?
Und vielleicht die schwierigste Frage:
Kann ich ein großes Ziel lieben, ohne mein Glück davon abhängig zu machen, ob und wann ich es erreiche?
Ich möchte diese Fragen gar nicht alle sofort beantworten.
Vielleicht gehört auch das zu Geduld.
Eine Frage darf eine Weile eine Frage bleiben.
Ich darf mit ihr beten.
Ich darf mit anderen darüber sprechen.
Ich darf die Bibel lesen.
Ich darf beobachten, welche Früchte ein Weg trägt.
Ich darf meinen gesunden Menschenverstand benutzen.
Und ich darf weitergehen, ohne schon die komplette Landkarte in der Hand zu halten.
16. Und dann spricht die nächste Predigt ausgerechnet über Gottes Ja und Nein
Und damit könnte dieser Artikel eigentlich enden.
Wenn meine Geschichte nicht einfach weitergegangen wäre.
Denn eine Woche nach Leo Biggers Predigt über Durchbrüche, Krone und Hirtenstab saß ich wieder im ICF.
Diesmal hatte ich vor dem Gottesdienst selbst beim Aufbau mitgeholfen.
Und worum ging es in der Predigt?
Um Gottes Ja.
Und um Gottes Nein.
Wie sieht ein Ja von Gott aus?
Wie kann ein Nein aussehen?
Und vor allem: Wie gehe ich damit um, wenn Gottes Antwort nicht die ist, die ich mir gewünscht habe?
Da musste ich innerlich fast lachen.
Denn genau diese Fragen waren durch die Predigt der vergangenen Woche und durch meine eigenen Erlebnisse längst in Bewegung geraten.
Ist meine Begeisterung für das ICF ein Ja?
Sind die offenen Türen ein Ja?
Ist es ein Ja, wenn ich merke, dass ich gebraucht werde?
Ist es ein Ja, wenn ich etwas gebe und gleichzeitig selbst so viel empfange?
Und was passiert, wenn ich an einer anderen Stelle ein Nein erlebe?
Muss ich es verstehen?
Muss ich eine Erklärung dafür finden?
Oder kann Vertrauen manchmal auch bedeuten, ein Nein anzunehmen, ohne schon zu wissen, wofür es einmal gut sein könnte?
Genau darüber möchte ich im nächsten Artikel schreiben.
Und diesmal habe ich einen kleinen Vorteil:
Ich werde eine ganze Woche Zeit haben, zu beobachten, was diese Predigt in meinem Leben auslöst.
Welche Gedanken bleiben?
Welche verändern sich?
Wo entdecke ich vielleicht ein Ja?
Wo begegnet mir ein Nein?
Und wo merke ich am Ende, dass ich eine Antwort viel zu schnell als Ja oder Nein bezeichnet habe?
Vielleicht ist genau das die spannendste Fortsetzung meiner Suche nach Gottes Plan für mein Leben.
Nicht nur darüber nachzudenken, was Gott mit meinem Leben vorhaben könnte.
Sondern aufmerksam zu beobachten, was passiert, wenn ich versuche, ihm tatsächlich Schritt für Schritt zu folgen.
Fortsetzung folgt.
17. Mach dir selbst ein Bild
Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, wie begeistert ich momentan vom ICF bin.
Aber weißt du was?
Du musst mir meine Begeisterung gar nicht glauben.
Erlebe es selbst.
Wenn dich neugierig gemacht hat, was ich über den Gottesdienst, die Predigt, die Gemeinschaft, das gemeinsame Gebet und die Mitarbeit erzählt habe, dann schau doch einfach einmal nach, ob es ein ICF in deiner Nähe gibt.
Nimm Kontakt auf, wenn du vorher Fragen hast.
Oder mach es noch einfacher:
Geh am nächsten Sonntag einfach hin.
Setz dich hinein.
Schau dich um.
Hör zu.
Sing mit, wenn du möchtest.
Bete mit, wenn du möchtest.
Sprich mit Menschen, wenn du möchtest.
Und dann mach dir selbst ein Bild.
Vielleicht bist du begeistert.
Vielleicht ist diese Form von Gottesdienst überhaupt nicht deine.
Vielleicht findest du etwas, das dich berührt.
Vielleicht gehst du einmal hin und nie wieder.
Vielleicht gehst du ein zweites Mal.
Vielleicht findest du dort Menschen, mit denen du ein Stück deines Glaubensweges gemeinsam gehen möchtest.
Das musst du vorher nicht wissen.
Und vielleicht ist genau das auch wieder ein kleiner Hirtenstab:
Nicht sofort wissen zu müssen, wohin etwas führt.
Einfach den nächsten Schritt machen und aufmerksam bleiben.
Vielleicht wartet keine Krone auf dich.
Vielleicht aber ein gutes Gespräch.
Eine neue Frage.
Ein Gebet.
Ein Mensch.
Ein Gedanke, der dich noch Tage später begleitet.
Oder einfach ein Sonntag, an dem du Gott auf eine andere Weise begegnest, als du es bisher gewohnt warst.
Wenn du neugierig bist, schau jetzt nach, ob es ein ICF in deiner Nähe gibt, nimm Kontakt auf oder geh einfach am Sonntag hin.
Mach dir selbst ein Bild.
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