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  • Wie Gott mich wieder erreicht hat – mein Glaubenszeugnis

    Wie Gott mich wieder erreicht hat – mein Glaubenszeugnis

    Ich möchte euch heute erzählen, wie Gott in meinem Leben gewirkt hat.

    Es gab in meinem Leben einen Punkt, da war ich wirklich ganz unten. Ich bin ungefähr drei Wochen fast nur auf dem Sofa gelegen. Die Vorhänge waren zu und ich hatte überhaupt keine Kraft mehr, irgendetwas zu machen.

    Wenn ich heute zurückblicke, dann weiß ich eigentlich ziemlich genau, wo das angefangen hat. Mit ungefähr 18 Jahren habe ich mich immer mehr von Gott entfernt. Ich habe mich plötzlich stark gefühlt, unabhängig, irgendwie unbesiegbar. Ich dachte: Ich schaffe mein Leben auch alleine. Ich brauche Gott nicht mehr.

    Und dann ist nach und nach ganz viel passiert. Ich habe Entscheidungen getroffen, die mir nicht gutgetan haben. Ich habe meine Kräfte immer wieder überschätzt und versucht, alles alleine zu lösen.

    Irgendwann war ich an einem Punkt, an dem ich wirklich nicht mehr wusste, wie es weitergehen sollte. Ich wusste nicht mehr, wofür ich überhaupt noch leben sollte. Manchmal habe ich einfach gedacht: Vielleicht schlafe ich ein und wache einfach nicht mehr auf.

    Und genau dort, im Jahr 2010, hat Gott mich nach vielen Jahren, in denen ich mich immer weiter von ihm entfernt hatte, wieder erreicht.

    Aber eigentlich muss ich ein bisschen weiter vorne anfangen.

    Als Kind war Gott mein Halt

    Als Kind war mein Glaube für mich unglaublich wichtig. Ich habe mich in meiner Familie oft eher ausgegrenzt als angenommen gefühlt. Meinen Vater habe ich über alles geliebt, aber ich durfte ihn nur einmal im Monat übers Wochenende sehen.

    Das bedeutete, dass ich an all den anderen Tagen irgendwie mit dieser Sehnsucht klarkommen musste.

    Und da war Gott für mich immer da.

    Ich habe Gott als Kind wirklich als Halt erlebt. Als jemanden, mit dem ich reden konnte. Als jemanden, der mich liebte, auch wenn ich mich gerade nicht geliebt fühlte.

    Und ich glaube, das hat unglaublich viel mit mir gemacht. Ich glaube, dass das auch ein Grund dafür ist, warum ich trotz schwieriger Erfahrungen ein Mensch geworden bin, der andere liebt, gerne hilft und sich für Menschen interessiert.

    Als ich dachte, ich müsste alles alleine schaffen

    Dann bin ich älter geworden. Mit ungefähr 18 kam dieser Punkt, an dem ich dachte: Jetzt kann ich alles selber. Ich habe Gott nicht bewusst abgelehnt. Aber ich habe ihn immer weniger gebraucht – zumindest habe ich das gedacht.

    Ich hatte zwei Beziehungen, in die ich mich Hals über Kopf verliebt habe, obwohl eigentlich gar nicht so viel da war, was diese Beziehungen getragen hätte. Und in beiden Beziehungen bin ich schwanger geworden.

    So sind meine beiden Söhne in mein Leben gekommen.

    Die Beziehungen haben nicht gehalten und ich habe die Kinder im Wesentlichen alleine großgezogen. Mein Vater hat mich dabei sehr unterstützt, wofür ich bis heute unglaublich dankbar bin.

    Aber ich habe immer wieder meine eigenen Kräfte überschätzt. Ich wollte alles schaffen: Kinder, Arbeit, Geld, Haushalt, Verantwortung – einfach alles.

    Und irgendwann hat mein Körper nicht mehr mitgemacht. Als die Kinder fünf und sieben Jahre alt waren, habe ich einen Burnout bekommen.

    Gleichzeitig hatte ich große finanzielle Probleme. Ich hatte ein Haus auf dem Dorf, hohe Kosten, und mein Mieter konnte irgendwann seine Miete nicht mehr bezahlen.

    Ich habe versucht, irgendeine Lösung zu finden. Ich dachte, wenn ich in die Stadt ziehe, brauche ich kein Auto mehr und kann dadurch Kosten sparen.

    Also bin ich mit den Kindern umgezogen.

    Und dieser Umzug war für die Kinder viel schwieriger, als ich gedacht hatte.

    Neue Schule, neues Umfeld, große Klassen, neue Betreuung – es hat einfach nicht funktioniert.

    Ich habe gleichzeitig im Schichtdienst gearbeitet und versucht, irgendwie weiterzumachen.

    Ich war erschöpft, hatte Ringe unter den Augen und mein Alltag bestand aus verschiedenen Arbeitszeiten und dem Versuch, trotzdem noch für alles andere da zu sein.

    Als alles völlig eskalierte

    Und dann ist die Situation irgendwann völlig eskaliert.

    Meine Kinder sind einer Betreuungsperson davongelaufen und haben sich versteckt. Sie sind nicht in der Schule angekommen, die Polizei hat nach ihnen gesucht und dadurch ist das Jugendamt eingeschaltet worden.

    Von diesem Zeitpunkt an kam etwas ins Rollen, das ich irgendwann überhaupt nicht mehr kontrollieren konnte.

    Es gab Gespräche, Gutachten und Gerichtstermine.

    Ich habe trotzdem immer gedacht: Irgendwie wird das wieder gut.

    Eine Gutachterin hat mir sogar gesagt, vielleicht bleiben die Kinder zwei Jahre in einer Pflegefamilie und kommen anschließend wieder zurück.

    Aber das Gericht hat entschieden, dass sie dauerhaft dort bleiben sollten.

    Und da ist für mich wirklich eine Welt zusammengebrochen.

    Ich bin zurück in mein Haus gefahren, habe die Vorhänge zugemacht und mich aufs Sofa gelegt.

    Und dann kam eben diese Zeit, von der ich am Anfang erzählt habe.

    Ich habe kaum noch etwas gemacht. Manchmal konnte ich nichts essen, manchmal habe ich viel zu viel gegessen, einfach um mich irgendwie zu betäuben.

    Die Predigt, bei der plötzlich etwas anders war

    Irgendwann lief im Hintergrund eine Predigt im Fernsehen.

    Solche Predigten hatte ich vorher schon laufen lassen, aber eigentlich hatte ich gar nicht richtig zugehört.

    Und plötzlich hörte ich etwas wie: Steh auf. Gib nicht auf. Gott liebt dich.

    Ich habe auf den Fernseher geschaut. Dort stand ein Pfarrer und sprach genau über das, was ich in diesem Moment gebraucht habe.

    Dass Gott uns liebt.

    Dass wir zu ihm zurückkommen können.

    Dass er uns vergibt.

    Dass wir ihn um Hilfe bitten dürfen.

    Und das hat mich getroffen.

    Denn plötzlich wusste ich wieder: Das kenne ich doch.

    Ich kenne diesen Gott doch.

    Ich wusste doch eigentlich schon als Kind, wie es ist, wenn Gott einem Halt gibt.

    Jana – ein Mensch im richtigen Moment

    Ich habe mich gewaschen, angezogen und bin einkaufen gefahren.

    Und dort habe ich Jana getroffen.

    Jana war eine Bekannte aus meinem früheren Umfeld.

    Ich habe sie gefragt, wie es Uli geht, einer früheren Freundin von mir.

    Jana hatte plötzlich Tränen in den Augen und fragte: „Du weißt es gar nicht?“

    Dann hat sie mir erzählt, dass Uli sich das Leben genommen hatte.

    Das hat mich tief getroffen.

    Jana hatte Uli damals in ihren letzten Wochen begleitet und versucht, ihr zu helfen.

    Dann hat Jana mich gefragt, wie es mir eigentlich geht. Ich habe ihr gesagt, dass wir uns bei mir treffen können und ich ihr alles erzählen würde.

    Sie kam zu mir, sah das Haus und sagte ziemlich schnell: „Mach die Fenster auf.“

    „Mach die Vorhänge auf. Lass Licht rein. Räum auf.“

    Und da habe ich erst richtig gemerkt, wie weit ich mich bereits zurückgezogen hatte.

    Plötzlich war Licht im Raum. Und irgendwie konnte ich zum ersten Mal wieder von außen auf mein eigenes Leben schauen.

    Aber Jana hat nicht locker gelassen. Sie hat mich immer wieder motiviert, aufzustehen und etwas zu machen. Holz holen. Holz schneiden. Mich bewerben. Wieder aufstehen. Weitermachen.

    Gleichzeitig habe ich angefangen, die Predigten, die vorher nur irgendwie im Hintergrund gelaufen waren, ganz bewusst anzuschauen. Ich habe zugehört, nachgedacht und mir Notizen gemacht.

    Und langsam ist etwas passiert. Ich bin Stück für Stück wieder zurück ins Leben gekommen.

    Schritt für Schritt zurück ins Leben

    Ich habe wieder Arbeit gefunden.

    Ich habe wieder angefangen, Dinge zu planen.

    Ich habe wieder angefangen, mich für mein Leben zu interessieren.

    Und ich glaube bis heute, dass Gott mich damals nicht nur durch diese Predigt erreicht hat, sondern auch durch Jana.

    Denn Glaube bedeutet für mich eben nicht nur, dass Gott irgendwo weit weg ist.

    Manchmal schickt er uns Menschen, die genau im richtigen Moment da sind.

    Und ab diesem Punkt ist es in meinem Leben langsam wieder bergauf gegangen.

    Nicht alles ist so geworden, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich habe noch einmal geheiratet, aber die Ehe hielt nur ungefähr ein Jahr. Ich habe wieder gearbeitet, aber später haben gesundheitliche Probleme mein Leben erneut verändert und schließlich zur Erwerbsminderungsrente geführt. Und meine Kinder sind nicht wieder zu mir zurückgekommen.

    Aber ich habe wieder angefangen zu leben.

    Ich habe wieder geliebt, Sport gemacht, bin gereist, habe gelernt und immer wieder Neues ausprobiert.

    Ich habe sogar zwei weitere Sprachen gelernt: Italienisch und Russisch. Auf Teneriffa hatte ich eine Lernpartnerschaft für Russisch, und Italienisch habe ich unter anderem mit einer Lernpartnerin aus der Toskana über Skype geübt.

    Ich habe gelernt, alleine und minimalistisch zu reisen. Eine Zeit lang war ein kleiner roter Škoda Fabia mit Dachzelt mein Ausgangspunkt für Abenteuer – unter anderem auf Teneriffa.

    Später habe ich mir sogar ein kleines Haus auf Rädern gebaut. Ein winziges Holzhaus, aber für mich ein großer Schritt: etwas Eigenes erschaffen, mit wenig auskommen und trotzdem ein Zuhause haben.

    Ich habe ein Zertifikat gemacht, um Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten.

    Und ich habe sogar an einem französischen Gymnasium Deutsch unterrichtet.

    Immer neue Glaubenserfahrungen

    Auch dort hat Gott mir wieder jemanden geschickt: einen jungen Pfarrer, durch den ich wieder näher zur Kirche gekommen bin.

    Danach habe ich immer mehr Glaubenserfahrungen gemacht. Ich habe Neues über meinen Glauben gelernt, Menschen kennengelernt, mit anderen gemeinsam gebetet, die Bibel gelesen und erlebt, wie unterschiedlich christliches Leben aussehen kann.

    Ich war zum Beispiel mit einer Freundin in der Toskana bei einer Mariengrotte. Dort haben wir gemeinsam auf Italienisch den Rosenkranz gebetet. Das war für mich wunderschön.

    Später bin ich in der Nähe von Schongau in einer Freien evangelischen Gemeinde aktiv geworden.

    Und dort habe ich noch einmal etwas Neues gelernt.

    Ich kannte aus meiner katholischen Prägung viele Gebete und Formen des Glaubens. Jetzt lernte ich stärker, frei zu beten, gemeinsam über Bibeltexte nachzudenken, Fragen zu stellen, mich einzubringen und Glauben ganz praktisch zu leben.

    Denn Glaube ist nicht nur etwas zwischen mir und Gott. Glaube bedeutet auch Gemeinschaft.

    Gemeinsam beten.

    Gemeinsam reden. Einander zuhören. Gedanken miteinander teilen.

    Sich gegenseitig helfen. Für jemanden da sein, der Unterstützung braucht.

    Sich einbringen: Menschen begrüßen, Kaffee und Kuchen vorbereiten, abspülen, Fahrdienste übernehmen und dort helfen, wo gerade jemand gebraucht wird.

    Dazugehören. Und gleichzeitig für andere da sein.

    Mein Weg nach München

    Und dann hat mein Weg mich nach München geführt.

    Ein Freund stellte mir vorübergehend eine Wohnung zur Verfügung. Gleichzeitig sagte Margit, eine Bekannte aus der Gemeinde in Schongau, zu mir sinngemäß: „Bevor du dir irgendeine andere Gemeinde anschaust, schau dir erst einmal das ICF an. Ich glaube, das passt besser zu dir.“

    Und so bin ich beim ICF gelandet.

    Und heute darf ich dort sogar eine Ausbildung zur Gruppenleiterin machen. Wenn ich mir meinen Weg anschaue, finde ich das manchmal selbst unglaublich.

    Von anderen getragen – heute für andere da

    Denn früher habe ich selbst Menschen gebraucht, die mir geholfen haben, wieder aufzustehen.

    Menschen, die mich gesehen haben. Menschen, die nicht einfach weggegangen sind. Menschen, die mir Mut gemacht haben, als ich selbst kaum noch welchen hatte.

    Und heute möchte ich selbst so ein Mensch für andere sein.

    Ich möchte zuhören. Ich möchte Menschen ernst nehmen.

    Nicht sofort eine Lösung präsentieren. Nicht jedes Problem kleinreden. Sondern erst einmal wirklich hören, was ein anderer Mensch zu sagen hat.

    Ich möchte mit Menschen beten. Ich möchte ihnen helfen, Gott näherzukommen.

    Und ich möchte einfach dazu beitragen, dass Menschen sich gesehen und angenommen fühlen.

    Was ich aus meinem Weg gelernt habe

    Das Wichtigste, was ich aus meinem Leben gelernt habe, ist eigentlich ziemlich einfach:

    Mein Leben war immer dann am schwersten, wenn ich versucht habe, alles ohne Gott zu schaffen.

    Wenn ich dachte, ich müsste stark genug sein. Wenn ich glaubte, ich müsste alles kontrollieren. Wenn ich meinte, ich dürfte niemanden brauchen.

    Und immer dann, wenn ich mich Gott wieder geöffnet habe, ist etwas in Bewegung gekommen.

    Nicht immer so, wie ich es mir vorgestellt habe.

    Nicht immer sofort.

    Nicht immer wurde das Problem einfach weggenommen.

    Aber ich habe wieder Hoffnung bekommen. Es öffneten sich Wege, die ich vorher nicht gesehen hatte. Menschen kamen in mein Leben. Neue Möglichkeiten entstanden. Und manchmal veränderte sich nicht zuerst meine Situation, sondern etwas in mir.

    Deswegen glaube ich heute mehr denn je: Das Leben ist ein Geschenk von Gott.

    Es besteht nicht nur aus den großen Ereignissen. Es besteht aus unglaublich vielen kleinen Momenten: einem Gespräch, einer Tasse Kaffee, einer Begegnung, einem Sonnenuntergang, einer Reise, einem Gebet, einer neuen Erkenntnis, einem Menschen, der uns gerade im richtigen Augenblick begegnet.

    Und jeder einzelne dieser Momente ist kostbar.

    Ich möchte keinen davon mehr einfach verschwenden.

    Ich möchte meine Beziehung zu Gott nicht nur behalten, sondern immer weiter vertiefen. Ich möchte dankbar sein für meinen Weg – auch wenn ich vieles davon niemals freiwillig gewählt hätte.

    Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich nicht nur die schwierigen Zeiten. Ich sehe auch all die Menschen, Begegnungen und Möglichkeiten, durch die ich wieder aufgestanden bin.

    Und dafür bin ich unglaublich dankbar.

    Abschließendes Gebet

    Gott, ich danke dir für meinen Weg. Für die hellen Zeiten und auch für die Zeiten, in denen ich dich kaum noch gesehen habe.

    Ich danke dir, dass du mich nicht losgelassen hast. Dass du mich durch Worte, durch Begegnungen und durch Menschen immer wieder erreicht hast. Danke für alle, die im richtigen Moment für mich da waren, mich ernst genommen, mir zugehört und mir geholfen haben, wieder aufzustehen.

    Jesus, danke, dass ich immer wieder zu dir zurückkommen darf. Danke, dass deine Liebe nicht davon abhängt, wie stark ich bin oder wie gut ich mein Leben im Griff habe.

    Heiliger Geist, begleite mich weiter. Hilf mir, offen zu bleiben für deine Führung, aufmerksam für andere Menschen zu sein und dort zu helfen, wo ich gebraucht werde.

    Lass mich nicht vergessen, dass mein Leben ein Geschenk ist. Hilf mir, die kleinen kostbaren Momente wahrzunehmen, dankbar zu bleiben und meine Beziehung zu dir jeden Tag weiter zu vertiefen.

    Und wenn Menschen meinen Weg hören oder lesen, dann lass sie darin nicht nur meine Geschichte sehen, sondern auch Hoffnung für ihr eigenes Leben finden.

    Amen.

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