Im Deutschen gibt es viele Sätze mit zu + Infinitiv. Besonders häufig begegnen dir dabei zwei Formen:
- um … zu + Infinitiv
- zu + Infinitiv ohne „um“
Beide Konstruktionen sehen ähnlich aus, aber sie haben unterschiedliche Funktionen. In diesem Artikel lernst du, wann du welche Form brauchst.
1. Was ist ein Infinitiv?
Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs.
Beispiele:
- machen
- lernen
- schlafen
- lesen
- arbeiten
- fahren
Mit zu entstehen zum Beispiel:
- zu machen
- zu lernen
- zu schlafen
- zu lesen
- zu arbeiten
- zu fahren
Beispiel:
Ich versuche, mehr zu schlafen.
2. „um … zu“ – ein Ziel oder einen Zweck ausdrücken
Mit um … zu erklärst du, warum jemand etwas tut oder welches Ziel eine Handlung hat.
Du kannst oft fragen:
Wozu?
Mit welchem Ziel?
Beispiel:
Ich lerne Deutsch, um in Deutschland zu arbeiten.
Warum lerne ich Deutsch?
→ Ich möchte in Deutschland arbeiten.
3. Aufbau von „um … zu“
Die Struktur ist:
Hauptsatz + , um + weitere Informationen + zu + Infinitiv
Beispiel:
Ich gehe in den Supermarkt, um Brot zu kaufen.
Weitere Beispiele:
Ich spare Geld, um eine Reise zu machen.
Sie geht früh ins Bett, um morgen fit zu sein.
Wir fahren nach München, um Freunde zu besuchen.
Er macht jeden Tag Sport, um gesund zu bleiben.
4. Das Subjekt muss normalerweise gleich sein
Bei einer Konstruktion mit um … zu ist die handelnde Person in beiden Teilen des Satzes normalerweise dieselbe.
Beispiel:
Ich gehe in die Bibliothek, um zu lernen.
Wer geht in die Bibliothek?
→ ich
Wer lernt?
→ ich
Das Subjekt ist also gleich.
Ein weiteres Beispiel:
Emma liest jeden Tag Deutsch, um ihren Wortschatz zu verbessern.
Wer liest?
→ Emma
Wer verbessert den Wortschatz?
→ Emma
5. Wenn die Personen unterschiedlich sind: „damit“
Wenn in den beiden Satzteilen verschiedene Personen handeln, brauchst du meistens damit.
Nicht:
❌ Ich erkläre Emma die Grammatik, um sie die Regel versteht.
Sondern:
✅ Ich erkläre Emma die Grammatik, damit sie die Regel versteht.
Hier gibt es zwei verschiedene Subjekte:
- ich erkläre
- sie versteht
Deshalb benutzt man damit.
Vergleich:
Ich lerne viel, um die Prüfung zu bestehen.
→ Ich lerne. Ich bestehe die Prüfung.
Ich helfe dir, damit du die Prüfung bestehst.
→ Ich helfe. Du bestehst die Prüfung.
6. Wann benutzt man einfach „zu + Infinitiv“?
Nicht jede Infinitivkonstruktion braucht um.
Oft steht zu + Infinitiv nach bestimmten Verben.
Zum Beispiel:
- versuchen
- anfangen
- beginnen
- vergessen
- hoffen
- planen
- versprechen
- entscheiden
- aufhören
Beispiele:
Ich versuche, jeden Tag Deutsch zu lernen.
Sie beginnt, ein Buch zu lesen.
Er hat vergessen, die Tür zu schließen.
Wir planen, im Sommer nach Italien zu fahren.
Ich hoffe, bald besser Deutsch zu sprechen.
Sie hat beschlossen, mehr Sport zu machen.
7. „um … zu“ oder nur „zu“?
Vergleichen wir zwei Sätze:
Ich versuche, jeden Tag Deutsch zu lernen.
Hier gehört die Infinitivkonstruktion zum Verb versuchen.
Ich sehe jeden Tag deutsche Videos, um Deutsch zu lernen.
Hier erklärt die Infinitivkonstruktion das Ziel.
Warum sehe ich deutsche Videos?
→ Um Deutsch zu lernen.
8. Ein einfacher Test
Du kannst dir folgende Frage stellen:
Drückt der zweite Teil ein Ziel aus?
Wenn ja, brauchst du oft um … zu.
Beispiel:
Ich fahre zum Bahnhof, um meine Freundin abzuholen.
Wozu fahre ich zum Bahnhof?
→ Um meine Freundin abzuholen.
Wenn die Infinitivkonstruktion dagegen direkt zu einem Verb gehört, brauchst du oft nur zu.
Beispiel:
Ich versuche, meine Freundin anzurufen.
Das Verb versuchen wird hier mit zu + Infinitiv verwendet.
9. Trennbare Verben mit „zu“
Bei trennbaren Verben steht zu zwischen den beiden Teilen des Verbs.
Beispiele:
anrufen → anzurufen
aufstehen → aufzustehen
einkaufen → einzukaufen
mitkommen → mitzukommen
vorbereiten → vorzubereiten
Beispiele im Satz:
Ich versuche, meine Mutter anzurufen.
Ich gehe früh ins Bett, um morgen früh aufzustehen.
Wir fahren in die Stadt, um einzukaufen.
Sie versucht, die Präsentation vorzubereiten.
10. Nicht trennbare Verben
Bei normalen, nicht trennbaren Verben steht zu vor dem Infinitiv.
lernen → zu lernen
machen → zu machen
lesen → zu lesen
kaufen → zu kaufen
Beispiele:
Ich versuche, mehr zu lesen.
Sie beginnt, Deutsch zu lernen.
Wir gehen in die Stadt, um ein Geschenk zu kaufen.
11. Verben mit „-ieren“
Verben auf -ieren sind nicht trennbar.
Deshalb steht zu vor dem gesamten Verb.
Beispiele:
studieren → zu studieren
telefonieren → zu telefonieren
organisieren → zu organisieren
reservieren → zu reservieren
Beispiel:
Ich versuche, einen Tisch zu reservieren.
Sie geht an die Universität, um Medizin zu studieren.
12. Infinitiv mit Modalverben
Nach Modalverben benutzt man normalerweise kein zu.
Modalverben sind zum Beispiel:
- können
- müssen
- wollen
- sollen
- dürfen
- mögen
Beispiele:
Ich möchte Deutsch lernen.
Nicht:
❌ Ich möchte Deutsch zu lernen.
Ich kann gut schwimmen.
Nicht:
❌ Ich kann gut zu schwimmen.
Ich muss morgen arbeiten.
Nicht:
❌ Ich muss morgen zu arbeiten.
13. „zu“ nach Adjektiven
Auch nach vielen Adjektiven kann ein Infinitiv mit zu stehen.
Beispiele:
Es ist wichtig, genug zu schlafen.
Es ist schwierig, Deutsch zu lernen.
Es ist schön, dich wieder zu sehen.
Es ist gesund, viel Wasser zu trinken.
Es ist interessant, neue Sprachen zu lernen.
14. „zu“ nach Nomen
Auch nach bestimmten Nomen kann eine Infinitivkonstruktion stehen.
Beispiele:
Ich habe keine Zeit, heute zu kochen.
Sie hat Lust, ins Kino zu gehen.
Ich habe den Wunsch, mehr zu reisen.
Er hat die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten.
15. Die Wortstellung
Bei der Infinitivkonstruktion steht der Infinitiv mit zu normalerweise am Ende.
Ich versuche, jeden Tag zehn Seiten zu lesen.
Sie fährt in die Stadt, um neue Kleidung zu kaufen.
Wir gehen früh schlafen, um morgen fit zu sein.
16. Komma bei Infinitivgruppen
Bei um … zu steht immer ein Komma.
Beispiel:
Ich lerne Deutsch, um in Deutschland zu arbeiten.
Auch bei vielen anderen Infinitivgruppen ist ein Komma üblich oder notwendig, besonders wenn die Gruppe von einem Nomen oder einem bestimmten Verb abhängt.
Beispiel:
Ich habe den Wunsch, nach Deutschland zu reisen.
Für Deutschlernende ist es eine gute Gewohnheit, vor längeren Infinitivgruppen ein Komma zu setzen.
17. Typische Fehler
Fehler 1: „um“ vergessen
❌ Ich gehe in den Supermarkt, Brot zu kaufen.
Besser:
✅ Ich gehe in den Supermarkt, um Brot zu kaufen.
Hier wird ein Ziel ausgedrückt.
Fehler 2: „um“ benutzen, obwohl das Verb direkt einen Infinitiv verlangt
❌ Ich versuche, um Deutsch zu lernen.
Richtig:
✅ Ich versuche, Deutsch zu lernen.
Fehler 3: Zwei verschiedene Subjekte bei „um … zu“
❌ Ich spreche langsam, um du mich verstehst.
Richtig:
✅ Ich spreche langsam, damit du mich verstehst.
Oder, wenn das Subjekt gleich ist:
✅ Ich spreche langsam, um verständlicher zu sprechen.
Fehler 4: „zu“ nach einem Modalverb
❌ Ich möchte mehr zu schlafen.
Richtig:
✅ Ich möchte mehr schlafen.
18. Vergleich auf einen Blick
| Konstruktion | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| um … zu + Infinitiv | Ziel / Zweck | Ich lerne, um die Prüfung zu bestehen. |
| zu + Infinitiv | Ergänzung zu einem Verb | Ich versuche, die Prüfung zu bestehen. |
| damit + Nebensatz | Ziel bei verschiedenen Subjekten | Ich helfe dir, damit du die Prüfung bestehst. |
| Modalverb + Infinitiv | kein „zu“ | Ich muss lernen. |
19. Beispiele aus dem Alltag
Ich stehe früh auf, um vor der Arbeit zu joggen.
Ich versuche, jeden Abend ein paar Seiten zu lesen.
Ich fahre zum Bahnhof, um meine Freundin abzuholen.
Ich hoffe, morgen früher nach Hause zu kommen.
Ich kaufe Gemüse, um eine Suppe zu kochen.
Ich habe keine Lust, heute aufzuräumen.
Ich schreibe mir neue Wörter auf, um sie nicht zu vergessen.
Ich versuche, regelmäßig Deutsch zu sprechen.
20. Kleine Übung
Ergänze um … zu, zu oder damit.
- Ich lerne Deutsch, ______ in Deutschland arbeiten ______ können.
- Ich versuche, jeden Tag zehn Minuten ______ lesen.
- Ich spreche langsam, ______ du mich besser verstehst.
- Sie fährt in die Stadt, ______ ein Geschenk ______ kaufen.
- Wir hoffen, bald nach Berlin ______ fahren.
- Ich erkläre dir die Regel noch einmal, ______ du sie verstehst.
- Emma liest deutsche Bücher, ______ ihren Wortschatz ______ verbessern.
- Ich habe vergessen, meine Mutter ______ anrufen.
Lösungen
- Ich lerne Deutsch, um in Deutschland arbeiten zu können.
- Ich versuche, jeden Tag zehn Minuten zu lesen.
- Ich spreche langsam, damit du mich besser verstehst.
- Sie fährt in die Stadt, um ein Geschenk zu kaufen.
- Wir hoffen, bald nach Berlin zu fahren.
- Ich erkläre dir die Regel noch einmal, damit du sie verstehst.
- Emma liest deutsche Bücher, um ihren Wortschatz zu verbessern.
- Ich habe vergessen, meine Mutter anzurufen.
Zusammenfassung
Um … zu benutzt du, wenn du ein Ziel oder einen Zweck ausdrücken möchtest.
Ich lerne Deutsch, um in Deutschland zu arbeiten.
Zu + Infinitiv steht dagegen häufig nach bestimmten Verben, Adjektiven oder Nomen.
Ich versuche, Deutsch zu lernen.
Es ist wichtig, genug zu schlafen.
Ich habe Lust, ins Kino zu gehen.
Wenn zwei verschiedene Personen handeln, brauchst du für ein Ziel häufig damit.
Ich erkläre dir die Grammatik, damit du sie verstehst.
Und nach Modalverben steht normalerweise kein zu.
Ich möchte Deutsch lernen.
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