• Deutsch
  • English
  • Français
  • Español
  • Italiano
  • Русский
  • Sind zwei Stunden Mithilfe am Tag wirklich zu wenig für ein Zimmer in München?

    Sind zwei Stunden Mithilfe am Tag wirklich zu wenig für ein Zimmer in München?

    Immer wieder begegnet mir bei Angeboten zum „Wohnen gegen Hand“ dieselbe Reaktion: Zwei Stunden Mithilfe pro Tag seien doch viel zu wenig, wenn ein Zimmer in München inzwischen 800 oder 900 Euro im Monat koste.

    Auf den ersten Blick klingt dieses Argument vielleicht nachvollziehbar. Wenn man aber einmal ausrechnet, welchen finanziellen Wert zwei Stunden tägliche Arbeit tatsächlich haben, sieht die Sache schon ganz anders aus.

    Zwei Stunden täglich sind 60 Stunden im Monat

    Wer jeden Tag zwei Stunden mithilft, kommt bei 30 Tagen im Monat auf:

    2 Stunden × 30 Tage = 60 Stunden Arbeit im Monat

    Bei einem angenommenen Stundenlohn von 15 Euro ergibt das:

    60 Stunden × 15 Euro = 900 Euro

    Die Arbeitsleistung allein hat also bereits einen rechnerischen Wert von 900 Euro monatlich.

    Und dabei sind mögliche Arbeitgeberkosten noch gar nicht berücksichtigt.

    Arbeit hat nicht nur einen Stundenlohn

    Wenn jemand eine Haushaltshilfe, Betreuungskraft oder andere Unterstützung regulär beschäftigt, entstehen neben dem eigentlichen Lohn weitere Kosten.

    Je nach Beschäftigungsform kommen beispielsweise Sozialabgaben, Versicherungen oder andere Arbeitgeberkosten hinzu.

    Das bedeutet: Eine Person, die regelmäßig 60 Stunden im Monat mithilft, erbringt nicht einfach „ein bisschen Hilfe“, sondern eine Arbeitsleistung mit einem erheblichen wirtschaftlichen Wert.

    Für mich persönlich ist Arbeitszeit besonders begrenzt

    Bei mir kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: Ich darf täglich höchstens 2 Stunden und 59 Minuten arbeiten.

    Wenn ich davon zwei Stunden pro Tag im Rahmen von „Wohnen gegen Hand“ leiste, bleibt mir nur noch ungefähr eine Stunde täglich für bezahlte Arbeit übrig.

    Wenn ich diese eine Stunde beispielsweise für Nachhilfe nutze und mit 15 Euro netto pro Stunde rechne, sind das bei 30 Tagen gerade einmal:

    1 Stunde × 30 Tage × 15 Euro = 450 Euro im Monat

    Das zeigt sehr deutlich, dass zwei Stunden Mithilfe täglich für mich keineswegs „wenig“ sind. Sie machen vielmehr ungefähr zwei Drittel meiner gesamten möglichen täglichen Arbeitszeit aus.

    Gerade deshalb muss ich genau überlegen, wofür ich meine begrenzte Arbeitszeit einsetze. Wenn ich zwei Stunden täglich gegen Wohnraum tausche, ist das für mich ein erheblicher Beitrag und keine kleine Gefälligkeit nebenbei.

    Wohnen gegen Hand ist kein kostenloses Wohnen

    Der Begriff „Wohnen gegen Hand“ wird manchmal so verstanden, als würde jemand kostenlos wohnen und dafür gelegentlich einmal den Müll hinausbringen oder einkaufen gehen.

    Das ist aber nicht zwingend gemeint.

    Bei einer klaren Vereinbarung kann Wohnen gegen Hand beispielsweise bedeuten:

    • Unterstützung im Haushalt
    • Einkaufen
    • Kochen
    • Reinigung
    • Betreuung älterer Menschen
    • Unterstützung von Menschen mit Behinderung
    • Kinderbetreuung
    • Begleitung zu Terminen
    • Gartenarbeit
    • kleinere organisatorische Aufgaben

    Wenn solche Tätigkeiten regelmäßig und zuverlässig übernommen werden, haben sie einen klaren finanziellen Wert.

    Ein Zimmer für 900 Euro bedeutet nicht automatisch 900 Euro Gewinn

    Auch der Vergleich mit einem Zimmerpreis von 900 Euro greift meiner Meinung nach zu kurz.

    Denn die entscheidende Frage ist nicht nur:

    „Was könnte ich theoretisch für dieses Zimmer verlangen?“

    Sondern auch:

    „Was kostet mich die Hilfe, die ich dafür bekomme, wenn ich sie stattdessen bezahlen müsste?“

    Wenn jemand beispielsweise für 900 Euro Arbeitsleistung im Monat bekommt, kann ein Tausch durchaus für beide Seiten sinnvoll sein.

    Die eine Person bekommt Wohnraum, die andere bekommt regelmäßige Unterstützung.

    Wichtig ist ein fairer Tausch

    Natürlich bedeutet das nicht, dass jede Vereinbarung automatisch fair ist.

    Beide Seiten sollten vorher möglichst genau klären:

    Wie viele Stunden Mithilfe sind vorgesehen?

    Welche Aufgaben sollen übernommen werden?

    Gibt es feste Zeiten?

    Was passiert bei Krankheit oder Urlaub?

    Ist zusätzlich zur Mithilfe noch eine Miete zu zahlen?

    Sind Lebensmittel oder andere Kosten enthalten?

    Gerade weil Wohnen gegen Hand kein gewöhnliches Mietverhältnis ist, sollten Erwartungen möglichst konkret besprochen werden.

    Zwei Stunden täglich sind nicht „nur“ zwei Stunden

    Zwei Stunden am Tag klingen zunächst vielleicht nach wenig.

    Auf einen Monat gerechnet sind es aber rund 60 Stunden.

    Bei 15 Euro Stundenlohn entspricht das bereits 900 Euro Arbeitsleistung.

    Deshalb finde ich es vollkommen legitim, solche Modelle miteinander zu vergleichen und auszurechnen, welchen Wert beide Seiten tatsächlich einbringen.

    Wohnen gegen Hand kann dann eine faire Lösung sein, wenn nicht nur der Marktwert eines Zimmers betrachtet wird, sondern auch der tatsächliche Wert der geleisteten Arbeit.

    Natürlich muss am Ende jede Vereinbarung für beide Seiten passen.

    Aber zwei Stunden tägliche Mithilfe einfach als „zu wenig“ abzutun, ohne den Gegenwert auszurechnen, wird dem Modell meiner Meinung nach nicht gerecht.


    Kommentare

    Kommentar verfassen

    Entdecke mehr von POLYGLOT MONA

    Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

    Weiterlesen