Manche Gedanken über Gott sind so groß, dass Worte allein kaum ausreichen. Mir hilft es manchmal, sie wie ein Bild oder sogar wie eine mathematische Darstellung zu betrachten.
Die Idee zu diesem Artikel kam mir beim Hören der Joyce-Meyer-Predigt „How to See Yourself as God Does & Win the Battle of Your Mind!“.
Dabei habe ich mich gefragt: Wie könnte man Gott, den Menschen und das Böse so darstellen, dass man auf einen Blick versteht, wie unterschiedlich groß und grundlegend diese Bereiche sind?
Natürlich ist jede Darstellung nur ein Bild. Gott lässt sich nicht wirklich in eine mathematische Menge pressen. Aber gerade deshalb kann die Mengenlehre als Metapher spannend sein.
Gott ist nicht einfach ein großer Kreis
Wenn man in der Mengenlehre eine Menge zeichnet, malt man meistens einen Kreis oder eine geschlossene Form.
Bei Gott funktioniert dieses Bild eigentlich nicht.
Denn Gott ist nicht einfach „sehr groß“. Er ist nicht nur größer als wir. Er ist unbegrenzt.
Wenn ich Gott auf einem Blatt Papier darstellen wollte, müsste ich mir eigentlich vorstellen, dass das Blatt selbst unendlich groß ist. Gott wäre nicht nur ein Bereich innerhalb dieses Blattes. Seine Gegenwart, seine Liebe, seine Wahrheit und sein Wesen lassen sich nicht sinnvoll mit einer äußeren Grenze versehen.
Darum stelle ich mir Gott als Licht ohne sichtbares Ende vor.
Im Zentrum steht einfach:
GOTT
Und von dort gehen Strahlen in alle Richtungen.
Nicht, weil Gott irgendwo endet, sondern gerade weil er in dieser Darstellung keine erkennbare Grenze hat.

Ist der Teufel dann einfach „minus unendlich“?
Das war eine meiner ersten Fragen.
Wenn Gott unendlich große Liebe ist, ist der Teufel dann unendlich großer Hass?
Ich glaube, genau hier muss man vorsichtig sein.
Der Teufel ist im christlichen Verständnis kein gleichwertiger Gegen-Gott.
Er ist also nicht das negative Spiegelbild Gottes.
Gott ist Schöpfer.
Der Teufel ist Geschöpf.
Deshalb würde ich ihn nicht als zweites unendliches Feld darstellen.
Eher als etwas sehr Großes, Dunkles und Bedrohliches – aber trotzdem Begrenztes.
In meinem Bild wäre das eine riesige schwarze, unregelmäßige Form. Kein sauberer Kreis. Eher wie bei einem Rorschachtest: Man kann darin ein Monster erkennen, aber es bleibt unförmig, chaotisch und dunkel.
Das passt für mich besser zum Wesen des Bösen.
Nicht schöpferisch.
Nicht vollkommen.
Nicht unendlich.
Sondern zerstörerisch, verzerrend und chaotisch.

Und wo steht der Mensch?
Der Mensch ist im Vergleich dazu winzig.
Ich stelle ihn mir zunächst nur als kleinen Punkt vor.
Ein Mensch, der Gott noch nicht kennt, leuchtet in meinem Bild nicht.
Von ihm gehen noch keine Herzen aus.
Nicht, weil er wertlos wäre.
Sondern weil diese Darstellung zeigen soll: Er lebt noch nicht bewusst aus der Verbindung zu Gott.
Er hat dieselbe Würde wie jeder andere Mensch.
Aber das Licht, das von Gott kommt, prägt sein Leben noch nicht sichtbar.

Was verändert sich, wenn ein Mensch zu Jesus findet?
Dann verändert sich das Bild.
Der kleine Punkt beginnt zu leuchten.
Nicht aus eigener Kraft.
Nicht weil der Mensch plötzlich vollkommen wird.
Sondern weil er sich Gott öffnet.
Ich stelle mir diesen Menschen golden leuchtend vor.
Und jetzt gehen von ihm Herzen in drei Richtungen:
zu Gott
zu anderen Menschen
zu sich selbst
Das gefällt mir besonders, weil Jesus die Liebe genau in diese Richtungen beschreibt:
Gott lieben.
Den Nächsten lieben.
Und den Nächsten lieben wie sich selbst.
Ein Mensch, der zu Jesus findet, wird also nicht einfach nur „religiöser“.
Er beginnt zu lernen, Liebe zu empfangen und weiterzugeben.

Christsein ist kein Endzustand
Mit der Bekehrung ist man nicht fertig.
Eigentlich beginnt da erst ein Weg.
Ein junger Christ kann bereits leuchten.
Aber im Laufe der Zeit sollte etwas wachsen.
Paulus beschreibt im Galaterbrief die Frucht des Geistes.
Dazu gehören:
- Liebe
- Freude
- Friede
- Geduld
- Freundlichkeit
- Güte
- Treue
- Sanftmut
- Selbstbeherrschung
Diese Eigenschaften sind für mich fast wie sichtbare Zeichen dafür, dass ein Mensch immer mehr aus Gottes Geist lebt.
Darum stelle ich mir einen gewachsenen Christen nicht einfach nur größer vor.
Ich stelle ihn mir reicher an sichtbaren Früchten vor.
Nicht körperlich größer.
Nicht wichtiger.
Nicht wertvoller als andere.
Sondern reifer.

Wachstum bedeutet nicht, selbst zu Gott zu werden
Das ist mir wichtig.
Der Mensch kann wachsen.
Er kann liebevoller werden.
Geduldiger.
Treuer.
Freundlicher.
Selbstbeherrschter.
Aber er wird niemals selbst unendlich.
Der Unterschied zwischen Gott und Mensch bleibt bestehen.
Gott bleibt Quelle.
Der Mensch bleibt Empfänger.
Vielleicht kann man es so sagen:
Je näher ich Gott komme, desto mehr kann sein Licht durch mich hindurchscheinen.
Aber ich werde dadurch nicht selbst zur Sonne.
Ich bleibe ein Mensch, der Licht empfängt.
Das Böse wird dadurch nicht einfach verschwinden
Auch nach der Hinwendung zu Gott gibt es Versuchung, Schwäche, Angst, Egoismus und falsche Entscheidungen.
Der Unterschied ist nicht, dass der Christ plötzlich keine Dunkelheit mehr kennt.
Der Unterschied ist, dass er jetzt eine Richtung hat.
Er kann sich immer wieder zum Licht hin orientieren.
Er kann umkehren.
Er kann lernen.
Er kann sich verändern lassen.
Vielleicht ist das die wichtigste Aussage dieses Bildes
Der Mensch ist klein.
Gott ist unbegrenzt.
Das Böse kann mächtig wirken, aber es ist nicht Gott ebenbürtig.
Und der Mensch muss nicht aus eigener Kraft Licht produzieren.
Er darf sich Gott zuwenden.
Von dort kommt das Licht.
Und je länger ein Mensch in dieser Verbindung lebt, desto sichtbarer können Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung in seinem Leben werden.
Vielleicht ist geistliches Wachstum also gar nicht zuerst die Frage:
Wie groß kann ich werden?
Sondern:
Wie viel von Gottes Licht lasse ich durch mein Leben sichtbar werden?
Gebet
Gott, du bist Liebe.
Gott, du bist Licht.
Gott, du bist Wahrheit.
Gott, du bist Leben.
Gott, du bist Frieden.
Gott, du bist Güte.
Gott, du bist Treue.
Gott, du bist Barmherzigkeit.
Gott, du bist Gerechtigkeit.
Gott, du bist Geduld.
Gott, du bist Großzügigkeit.
Gott, du bist Hoffnung.
Gott, du bist meine Quelle.
Lass deine Liebe durch mich sichtbar werden.
Lass deine Güte durch mich sichtbar werden.
Lass deine Freundlichkeit durch mich sichtbar werden.
Lass deine Großzügigkeit durch mich sichtbar werden.
Lass deine Barmherzigkeit durch mich sichtbar werden.
Lass deine Treue durch mich sichtbar werden.
Lass deinen Frieden durch mich sichtbar werden.
Lass dein Licht durch mich sichtbar werden.
Schenke mir Liebe, wenn ich lieblos werde.
Schenke mir Freude, wenn mein Herz schwer ist.
Schenke mir Frieden, wenn ich unruhig bin.
Schenke mir Geduld, wenn ich nicht warten kann.
Schenke mir Freundlichkeit, wenn ich hart werde.
Schenke mir Güte, wenn ich nur an mich selbst denke.
Schenke mir Treue, wenn ich aufgeben möchte.
Schenke mir Sanftmut, wenn ich verletzt oder wütend bin.
Schenke mir Selbstbeherrschung, wenn meine Wünsche stärker werden als meine guten Entscheidungen.
Lehre mich, dich zu lieben.
Lehre mich, meine Mitmenschen zu lieben.
Lehre mich, mich selbst mit deinen Augen zu sehen.
Lehre mich, zu vergeben.
Lehre mich, loszulassen.
Lehre mich, zu vertrauen.
Lehre mich, dein Licht weiterzugeben.
Mach mich nicht größer, damit andere mich bewundern.
Mach mich heller, damit andere dich erkennen.
Mach mich nicht stärker aus eigener Kraft.
Mach mich offen für deine Kraft.
Mach mich nicht vollkommen in meinen eigenen Augen.
Mach mich bereit, mich von dir verändern zu lassen.
Gott, du bist die Quelle.
Gott, du bist das Licht.
Gott, du bist die Liebe.
Und ich möchte immer mehr von dem widerspiegeln, was von dir kommt.
Amen.
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