Erlernte Hilflosigkeit ist ein psychologisches Muster, das entsteht, wenn man über lange Zeit erlebt, dass die eigenen Grenzen, Entscheidungen oder Verhalten keine Wirkung haben. Viele Menschen kennen dieses Gefühl, ohne es benennen zu können – und ohne zu wissen, dass man es Schritt für Schritt wieder auflösen kann. Und weil ich weiß, wie sehr solche Muster den Alltag schwieriger machen und wie schwer es ist, sie zu erkennen und zu löschen, möchte ich dich in dieser Metaserie mitnehmen.
In 15 Artikeln beleuchte ich verschiedene Situationen aus meinem Leben, in denen dieses Muster auftaucht: Momente, in denen ich mich abhängig, machtlos, ausgeliefert oder überfordert fühle – und gleichzeitig erkenne, woher diese Reaktionen kommen.
Dieser erste Teil beginnt mit einer Szene, die im Außen harmlos wirken könnte, aber tief in mir ein bekanntes Gefühl ausgelöst hat: finanzielle Abhängigkeit in einer Reiseplanung, und eine abrupte Reaktion, die mich plötzlich in alte Zeiten zurückkatapultiert hat.
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Was erlernte Hilflosigkeit bedeutet – und warum sie sich im Alltag zeigt
Erlernte Hilflosigkeit entsteht, wenn ein Mensch immer wieder Situationen erlebt, in denen sein Verhalten keinen Unterschied macht.
Das klassische Beispiel stammt aus der Psychologie: Hunde wurden in einen Käfig gesetzt, dessen Boden leichte Elektroschocks abgab. In der ersten Phase konnten sie nicht fliehen. In der zweiten Phase wurde eine Tür geöffnet – ein klarer Ausweg. Doch die Hunde blieben einfach liegen. Sie hatten gelernt:
„Es spielt keine Rolle, was ich tue.“
Genauso bildet unser Nervensystem bei chronischer Ohnmacht über Jahre hinweg eine Art Autobahn: Nervenzellen, die besonders häufig aktiviert werden, bekommen eine dickere Myelinschicht. Diese sorgt für eine schnellere Weiterleitung von Reizen.
Das bedeutet:
Sobald eine Situation heute auch nur entfernt an frühere Ohnmacht erinnert, feuert das System sofort – ohne bewusste Bewertung.
In dieser Serie analysiere ich verschiedene Bereiche meines Lebens, in denen dieses Muster sichtbar wird – und wie ich nach und nach lerne, es zu verändern.
Die Ausgangssituation – eine teure Reise: ein Geschenk mit Haken
Eine Reise, die wie ein Geschenk begann
Eine eigentlich gute Freundin hatte mich zu ihrem Geburtstag im Dezember nach Norwegen eingeladen – inklusive Polarlichter-Tour.
Die Reise schien ein wunderschöner Lichtblick in einer Zeit voller gesundheitlicher Belastungen und finanzieller Einschränkungen.
Da man in Norwegen fast nur mit Kreditkarte zahlen kann und sie keine hatte, liefen alle Buchungen über meine:
- Flüge
- Unterkunft
- Touren
- Stornierungen
- E-Mails und Kommunikation
Ich machte Vorschläge, ich organisierte, ich stornierte, ich kümmerte mich um alle Details.
Und erst später erkannte ich:
Ich war nur Mittel zum Zweck – die Kreditkarteninhaberin, die wie eine Sekretärin herumkommandiert wurde.
Als aus Kooperation Abhängigkeit wurde
Der entscheidende Punkt kam, als ich einen harmlosen, sachlichen Vorschlag machte:
Vielleicht könne man die Vermieterin des Airbnb bitten, bei der Polarlichter-Firma kurz nachzufragen, ob die Stornierung angekommen ist – weil sie die Tour empfohlen hatte.
Es war einfach nur ein Vorschlag.
Doch daraufhin begann sie:
- mich zu beschimpfen
- mir zu unterstellen, ich würde „hinter ihrem Rücken handeln“
- mich mit Nachrichten und Anrufen zu bombardieren
- einen Vorwurf mit fünf Ausrufezeichen zu schreiben
Ich war völlig überfordert, mitten in meiner Arbeitszeit – und musste in Sekunden den Nicht-stören-Modus aktivieren, Benachrichtigungen ausschalten, Vibration und Klingeltöne blockieren, um überhaupt arbeitsfähig zu bleiben.
Am nächsten Tag schrieb sie kurz:
„Wir harmonieren nicht. Ich möchte nicht, dass du mitfährst.“
Sie zog ihre Einladung einfach zurück.
Die Eskalation – und warum sie so verletzend war
Ein Vorschlag wurde als Angriff verstanden
Ich hatte nichts Falsches getan.
Ich hatte niemanden übergangen.
Ich hatte nur versucht, eine Lösung zu finden.
Doch genau das wurde als Bedrohung interpretiert.
Der Ausschluss – und das plötzliche Gefühl von Ohnmacht
In einer Phase, in der ich ohnehin wenig Geld, wenig Energie und kaum Stabilität habe, war dieser abrupte Ausschluss wie ein Schlag ins Gesicht.
Ich war plötzlich:
- ausgeschlossen
- machtlos
- abhängig von einer Entscheidung, die ich nicht beeinflussen konnte
Und genau an diesem Punkt reagiert mein Nervensystem wie früher.
Warum diese Situation mein Muster der erlernten Hilflosigkeit aktiviert hat
Finanzielle Abhängigkeit als Trigger
Wenn du finanziell abhängig bist, bedeutet das:
- du hast keine Freiheit
- du musst vorsichtig sein
- du kannst nicht einfach aussteigen
- du bist auf Wohlwollen angewiesen
Das ist der perfekte Boden für erlernte Hilflosigkeit.
Verlust der Kontrolle
In dieser Dynamik wurde ich:
- zur Befehlsausführenden
- verantwortlich für jede organisatorische Aufgabe
- aber ohne jede Mitentscheidungsfreiheit
Sie konnte entscheiden:
- ob ich mitfahre
- ob mein Verhalten akzeptabel ist
- ob die Reise stattfindet
- ob ich ausgeschlossen werde
Ich konnte nichts davon beeinflussen.
Retraumatisierung – Das Nervensystem erkennt die Struktur
Das Muster ist identisch mit dem, was mein Nervensystem seit 2008 kennt:
- andere entscheiden
- du trägst die Konsequenzen
- du kannst nichts tun
- du kannst nicht fliehen
Nur die Personen haben sich verändert.
Früher: Jugendamt, Gericht, Gutachten
Heute: Vermieter, Campingplatz, öffentliche Verkehrsmittel, und hier: eine Freundin
Die Struktur ist dieselbe.
Was finanzielle Abhängigkeit und erlernte Hilflosigkeit gemeinsam haben
Finanzielle Abhängigkeit bedeutet:
- fehlende Wahlmöglichkeiten
- Unsicherheit
- Rückzug
- Stress
- Angst, etwas falsch zu machen
- das Gefühl, ausgeliefert zu sein
- reaktive Überanpassung
Es ist keine Überreaktion, wenn solche Situationen alte Gefühle auslösen.
Es ist die logische Reaktion eines Nervensystems, das jahrzehntelang gelernt hat, dass andere bestimmen.
Was ich aus dieser Situation lerne – und was du für dich mitnehmen kannst
- Erkenne früh, wenn aus Hilfe Abhängigkeit wird.
- Lass dich nicht herumkommandieren, bleib unabhängig.
- Prüfe: Hast du eine Ausweichmöglichkeit?
- Achte darauf, wie Menschen reagieren, wenn du Grenzen setzt.
- Gib dir selbst Mitgefühl, wenn ein Trigger auftaucht.
Ausblick auf Teil 2 – Sascha: Wenn Rollenbilder und Realität kollidieren
Im nächsten Artikel geht es darum, wie Autolosigkeit, finanzielle Belastung und alte Rollenerwartungen mein Verhältnis zu meinem Sohn Sascha so stark beeinflusst haben.
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