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  • Das Participium coniunctum (PC) im Lateinischen – einfach erklärt mit Beispielen und Übungen

    Das Participium coniunctum (PC) im Lateinischen – einfach erklärt mit Beispielen und Übungen

    Das Participium coniunctum (PC) ist eine häufige Konstruktion im Lateinischen, bei der ein Partizip mit einem Bezugswort im Satz verbunden ist.

    Mit dieser Konstruktion lassen sich zusätzliche Informationen über eine Handlung besonders knapp ausdrücken.

    Im Deutschen übersetzen wir ein Participium coniunctum häufig mit einem Nebensatz, beispielsweise mit „während“, „nachdem“, „weil“ oder „obwohl“.

    In diesem Artikel lernst du Schritt für Schritt, wie du ein Participium coniunctum erkennst, seine grammatischen Formen bestimmst und es richtig übersetzt.

    Am Ende erwarten dich zahlreiche Übungen, mit denen du dein Wissen überprüfen und vertiefen kannst.

    1. Was ist ein Participium coniunctum?

    Der lateinische Ausdruck participium coniunctum bedeutet „verbundenes Partizip“.

    Ein Partizip ist eine Verbform, die Eigenschaften eines Verbs und eines Adjektivs miteinander verbindet.

    Wie ein Verb kann es beispielsweise Objekte oder adverbiale Bestimmungen bei sich haben.

    Wie ein Adjektiv richtet es sich nach einem Bezugswort und stimmt mit diesem in Kasus, Numerus und Genus überein.

    Diese Übereinstimmung bezeichnet man als KNG-Kongruenz.

    Ein Participium coniunctum besteht aus einem Partizip, das sich auf ein Satzglied bezieht und eine zusätzliche Aussage über dieses macht.

    Beispiel:

    Puer ridens per viam currit.

    Der lachende Junge läuft durch die Straße.

    Während der Junge lacht, läuft er durch die Straße.

    Hier ist puer das Bezugswort und ridens das dazugehörige Partizip.

    Beide stehen im Nominativ Singular Maskulinum.

    Das Partizip beschreibt eine Handlung, die gleichzeitig mit dem Laufen stattfindet.

    Die Übersetzung mit „während“ macht diese Gleichzeitigkeit besonders deutlich.

    2. Was ist der Unterschied zwischen einem Partizip und einem finiten Verb?

    Ein finites Verb ist nach Person und Numerus bestimmt und besitzt außerdem Angaben zu Tempus, Modus und Genus verbi.

    Ein Partizip dagegen ist eine infinite Verbform, die nicht nach Person bestimmt wird.

    Beispiel mit einem finiten Verb:

    Puer ridet.

    Der Junge lacht.

    ridet = 3. Person Singular, Präsens, Indikativ, Aktiv.

    Beispiel mit einem Partizip:

    Puer ridens currit.

    Der lachende Junge läuft.

    ridens = Partizip Präsens Aktiv, Nominativ Singular Maskulinum.

    Das finite Verb currit bildet das Prädikat des Satzes.

    Das Partizip ridens ergänzt die Aussage und beschreibt eine gleichzeitige Handlung.

    3. Welche Partizipien können ein Participium coniunctum bilden?

    Im Lateinischen gibt es drei wichtige Partizipien, die du für das Participium coniunctum kennen solltest.

    AbkürzungBezeichnungZeitverhältnisBedeutung
    PPAPartizip Präsens Aktivgleichzeitigaktiv
    PPPPartizip Perfekt Passivvorzeitigpassiv
    PFAPartizip Futur Aktivnachzeitigaktiv

    Das PPA und das PPP kommen als Participium coniunctum besonders häufig vor.

    Das PFA ist ebenfalls möglich, wird aber als PC deutlich seltener verwendet.

    3.1 Das PPA – Partizip Präsens Aktiv

    Das PPA bezeichnet eine Handlung, die gleichzeitig mit der übergeordneten Handlung stattfindet.

    Es hat aktive Bedeutung.

    Bildung:

    Präsensstamm + Partizipialbildung mit -ns beziehungsweise -nt- + Endung.

    Die genaue Form richtet sich nach der Konjugationsklasse.

    Beispiele:

    laudans – lobend

    monens – mahnend

    legens – lesend

    capiens – fangend

    audiens – hörend

    Das PPA wird nach der dritten Deklination dekliniert.

    Beispiel:

    Puella cantans ambulat.

    Das singende Mädchen geht spazieren.

    Während das Mädchen singt, geht es spazieren.

    cantans ist ein PPA von cantare.

    Das Singen und das Spazierengehen finden gleichzeitig statt.

    3.2 Das PPP – Partizip Perfekt Passiv

    Das PPP bezeichnet normalerweise eine Handlung, die vor der übergeordneten Handlung stattgefunden hat.

    Es besitzt bei gewöhnlichen transitiven Verben passive Bedeutung.

    Bildung:

    Das PPP wird aus der entsprechenden Stammform des Verbs gebildet und wie ein Adjektiv der a-/o-Deklination angepasst.

    Beispiele:

    laudatus, -a, -um – gelobt

    monitus, -a, -um – ermahnt

    lectus, -a, -um – gelesen

    captus, -a, -um – gefangen

    auditus, -a, -um – gehört

    Beispiel:

    Puer a magistro laudatus gaudet.

    Der vom Lehrer gelobte Junge freut sich.

    Nachdem der Junge vom Lehrer gelobt worden ist, freut er sich.

    laudatus ist ein PPP von laudare.

    Das Loben findet vor dem Sichfreuen statt.

    Das Partizip ist passiv, weil der Junge gelobt wird und nicht selbst lobt.

    Besonderheit bei Deponentien:

    Deponentien besitzen passive Verbformen, aber in der Regel aktive Bedeutung.

    Deshalb haben ihre Perfektpartizipien normalerweise ebenfalls aktive Bedeutung.

    Beispiel:

    Milites ducem secuti castra petunt.

    Nachdem die Soldaten dem Anführer gefolgt sind, suchen sie das Lager auf.

    secuti ist das Perfektpartizip des Deponens sequi – folgen.

    Es bezeichnet eine vorzeitige Handlung, hat aber aktive Bedeutung.

    3.3 Das PFA – Partizip Futur Aktiv

    Das PFA drückt eine Handlung aus, die der übergeordneten Handlung nachfolgt oder zu der eine Absicht besteht.

    Es besitzt aktive Bedeutung.

    Bildung:

    Partizipialstamm des PPP + -urus, -ura, -urum.

    Beispiele:

    laudaturus, -a, -um – im Begriff zu loben

    moniturus, -a, -um – im Begriff zu ermahnen

    lecturus, -a, -um – im Begriff zu lesen

    capturus, -a, -um – im Begriff zu fangen

    auditurus, -a, -um – im Begriff zu hören

    Beispiel:

    Caesar milites hortaturus ad eos venit.

    Caesar kommt zu den Soldaten, um sie anzuspornen.

    hortaturus ist das PFA des Deponens hortari – ermahnen, ermuntern, anspornen.

    Das PFA drückt hier die Absicht aus, die Soldaten anzuspornen.

    Die Konstruktion kann deshalb sinnvoll mit einem deutschen Finalsatz übersetzt werden.

    4. Die KNG-Kongruenz beim Participium coniunctum

    Das Partizip stimmt mit seinem Bezugswort immer in drei grammatischen Merkmalen überein.

    K = Kasus

    N = Numerus

    G = Genus

    Die Deklination des Partizips muss dabei nicht mit der Deklination des Bezugswortes übereinstimmen.

    Entscheidend sind allein Kasus, Numerus und Genus.

    Beispiele:

    BezugswortPartizipGrammatische Bestimmung
    puerridensNominativ Singular Maskulinum
    puellamcantantemAkkusativ Singular Femininum
    militibuspugnantibusDativ oder Ablativ Plural Maskulinum
    feminaelaudataeunter anderem Dativ Singular Femininum
    templumdeletumNominativ oder Akkusativ Singular Neutrum

    Bei Formen mit mehreren grammatischen Möglichkeiten musst du den Satzzusammenhang berücksichtigen.

    Beispiel:

    Magister discipulum legentem videt.

    Der Lehrer sieht den lesenden Schüler.

    Der Lehrer sieht den Schüler, während dieser liest.

    discipulum steht im Akkusativ Singular Maskulinum.

    legentem steht ebenfalls im Akkusativ Singular Maskulinum.

    Damit stimmen Bezugswort und Partizip in Kasus, Numerus und Genus überein.

    5. Wie erkennt man ein Participium coniunctum?

    Am einfachsten erkennst du ein Participium coniunctum, wenn du bei der Satzanalyse systematisch vorgehst.

    Schritt 1: Suche das finite Verb.

    Das finite Verb bildet das Prädikat des übergeordneten Satzes.

    Schritt 2: Suche das Partizip.

    Prüfe, ob es sich um ein PPA, PPP oder PFA handelt.

    Schritt 3: Bestimme seine Form.

    Untersuche Kasus, Numerus, Genus und die Partizipart.

    Schritt 4: Suche das Bezugswort.

    Finde ein Satzglied, das in Kasus, Numerus und Genus mit dem Partizip übereinstimmt.

    Schritt 5: Achte auf Ergänzungen.

    Zum Partizip können beispielsweise Objekte, Adverbien oder Präpositionalgruppen gehören.

    Schritt 6: Bestimme das Zeitverhältnis.

    Prüfe, ob die Partizipialhandlung gleichzeitig, vorzeitig oder nachzeitig ist.

    Schritt 7: Übersetze den vollständigen Satz.

    Wähle eine Übersetzung, die zum inhaltlichen Zusammenhang passt.

    Beispiel einer vollständigen Satzanalyse

    Milites hostes fugientes persequuntur.

    Die Soldaten verfolgen die fliehenden Feinde.

    Die Soldaten verfolgen die Feinde, während diese fliehen.

    SatzgliedLateinAnalyse
    Prädikatpersequunturpersequi, 3. Person Plural, Präsens, Indikativ, Deponens, aktive Bedeutung – sie verfolgen
    Subjektmilitesmiles, militis m., Nominativ Plural – die Soldaten
    Akkusativobjekthosteshostis, hostis m./f., Akkusativ Plural – die Feinde
    PCfugientesfugere, PPA, Akkusativ Plural Maskulinum, aktiv – fliehend

    Das Partizip fugientes gehört zu hostes.

    Die Feinde fliehen, während die Soldaten sie verfolgen.

    Die Partizipialhandlung ist gleichzeitig.

    6. Die wichtigsten Übersetzungsmöglichkeiten

    Ein Participium coniunctum lässt sich auf unterschiedliche Weise ins Deutsche übersetzen.

    Welche Übersetzung am besten passt, hängt vom Zusammenhang ab.

    Die Partizipform allein verrät beispielsweise nicht, ob eine Handlung als Ursache, Begleitumstand oder Gegensatz verstanden werden soll.

    6.1 Übersetzung mit einem Relativsatz

    Puella cantans laeta est.

    Das singende Mädchen ist fröhlich.

    Das Mädchen, das singt, ist fröhlich.

    Der Relativsatz beschreibt das Mädchen näher.

    6.2 Übersetzung mit einem Temporalsatz

    Milites urbem captam intraverunt.

    Die Soldaten betraten die eroberte Stadt.

    Nachdem die Stadt erobert worden war, betraten die Soldaten sie.

    Das PPP captam bezeichnet eine vorzeitige Handlung.

    6.3 Übersetzung mit einem Kausalsatz

    Puer periculum timens fugit.

    Der Junge flieht, weil er die Gefahr fürchtet.

    timens ist ein PPA und bezeichnet eine gleichzeitig bestehende Furcht.

    Der Kausalsatz verdeutlicht den Grund für die Flucht.

    6.4 Übersetzung mit einem Konzessivsatz

    Milites vulnerati tamen pugnant.

    Die verwundeten Soldaten kämpfen trotzdem.

    Obwohl die Soldaten verwundet worden sind, kämpfen sie trotzdem.

    Die konzessive Übersetzung betont einen Gegensatz zwischen Verwundung und Weiterkämpfen.

    Das Wort tamen unterstützt diese Deutung.

    6.5 Übersetzung mit einem Konditionalsatz

    Hostes appropinquantes facile videbimus.

    Wenn die Feinde sich nähern, werden wir sie leicht sehen.

    Wörtlicher: Wir werden die sich nähernden Feinde leicht sehen.

    Der Konditionalsatz ist hier eine mögliche sinngemäße Übersetzung.

    Das Partizip appropinquantes drückt jedoch selbst noch keine Bedingung aus.

    6.6 Übersetzung mit einem Modalsatz

    Puer currens domum pervenit.

    Der Junge erreicht sein Zuhause im Laufen.

    Indem der Junge läuft, erreicht er sein Zuhause.

    Die Übersetzung mit „indem“ hebt die Art und Weise hervor.

    6.7 Übersetzung durch Beiordnung

    Caesar urbem captam reliquit.

    Caesar verließ die eroberte Stadt.

    Die Stadt war erobert worden, und Caesar verließ sie.

    Die Beiordnung kann hilfreich sein, wenn dadurch der Zusammenhang verständlich bleibt.

    6.8 Übersetzung mit einer Präpositionalgruppe

    Milites duce interfecto territi fugerunt.

    Nach der Tötung ihres Anführers flohen die erschrockenen Soldaten.

    In diesem Beispiel handelt es sich bei duce interfecto allerdings um einen Ablativus absolutus und nicht um ein Participium coniunctum.

    Der Unterschied liegt darin, dass duce nicht als Satzglied in den übergeordneten Satz eingebunden ist.

    Ein echtes PC kann ebenfalls gelegentlich durch eine Präpositionalgruppe übersetzt werden.

    Beispiel:

    Milites vulnerati fugerunt.

    Die verwundeten Soldaten flohen.

    Wegen ihrer Verwundungen flohen die Soldaten.

    Die kausale Deutung ist nur dann angemessen, wenn der Kontext die Verwundungen als Fluchtgrund erkennen lässt.

    7. Die Zeitverhältnisse beim Participium coniunctum

    Für das richtige Verständnis ist das Zeitverhältnis zwischen Partizip und übergeordneter Handlung entscheidend.

    Dabei kommt es nicht darauf an, in welcher absoluten Zeit die Handlung stattfindet.

    Wichtig ist, ob die Partizipialhandlung vor, gleichzeitig mit oder nach der übergeordneten Handlung liegt.

    7.1 Gleichzeitigkeit beim PPA

    Puer ridens currit.

    Während der Junge lacht, läuft er.

    Puer ridens cucurrit.

    Während der Junge lachte, lief er.

    Puer ridens curret.

    Während der Junge lacht, wird er laufen.

    Das PPA bezeichnet in allen drei Beispielen eine Handlung, die gleichzeitig mit der übergeordneten Handlung stattfindet.

    7.2 Vorzeitigkeit beim PPP

    Puer laudatus gaudet.

    Nachdem der Junge gelobt worden ist, freut er sich.

    Puer laudatus gavisus est.

    Nachdem der Junge gelobt worden war, freute er sich.

    Puer laudatus gaudebit.

    Nachdem der Junge gelobt worden ist, wird er sich freuen.

    Das PPP bezeichnet in diesen Beispielen jeweils eine Handlung, die vor der übergeordneten Handlung liegt.

    7.3 Nachzeitigkeit beim PFA

    Puer librum lecturus sedet.

    Der Junge sitzt da und ist im Begriff, ein Buch zu lesen.

    Puer librum lecturus sedebat.

    Der Junge saß da und war im Begriff, ein Buch zu lesen.

    Puer librum lecturus sedebit.

    Der Junge wird dasitzen und im Begriff sein, ein Buch zu lesen.

    Das PFA drückt hier jeweils eine bevorstehende beziehungsweise beabsichtigte Handlung aus.

    8. Unterschied zwischen Participium coniunctum und Ablativus absolutus

    Das Participium coniunctum und der Ablativus absolutus können beide eine zusätzliche Handlung oder einen Begleitumstand ausdrücken.

    Der wichtigste Unterschied liegt in der grammatischen Verbindung zum übergeordneten Satz.

    Beim Participium coniunctum ist das Bezugswort ein Satzglied des übergeordneten Satzes.

    Beim Ablativus absolutus bildet das Wort im Ablativ dagegen mit dem Partizip eine eigene, grammatisch losgelöste Konstruktion.

    MerkmalParticipium coniunctumAblativus absolutus
    BezugswortSatzglied des übergeordneten SatzesBestandteil der losgelösten Ablativkonstruktion
    KasusVerschiedene Kasus möglichAblativ
    KNG-KongruenzJaJa
    ÜbersetzungOft NebensatzOft Nebensatz
    Grammatische EinbindungMit dem übergeordneten Satz verbundenGrammatisch losgelöst

    Participium coniunctum:

    Milites vulnerati fugerunt.

    Die verwundeten Soldaten flohen.

    Nachdem die Soldaten verwundet worden waren, flohen sie.

    Hier ist milites das Subjekt des übergeordneten Satzes.

    vulnerati ist das dazugehörige PPP.

    Ablativus absolutus:

    Duce vulnerato milites fugerunt.

    Nachdem der Anführer verwundet worden war, flohen die Soldaten.

    duce vulnerato ist eine eigenständige Konstruktion im Ablativ.

    Das Subjekt des Hauptsatzes lautet milites.

    Merke: Ein Partizip im Ablativ ist nicht automatisch Bestandteil eines Ablativus absolutus.

    Entscheidend ist, ob sein Bezugswort grammatisch in den übergeordneten Satz eingebunden ist.

    9. Unterschied zwischen Participium coniunctum und anderen Konstruktionen

    9.1 Participium coniunctum und AcI

    Beim AcI steht ein Akkusativ mit einem Infinitiv.

    Das Participium coniunctum enthält dagegen ein Partizip, das mit seinem Bezugswort in KNG übereinstimmt.

    AcI:

    Video puerum currere.

    Ich sehe, dass der Junge läuft.

    Participium coniunctum:

    Video puerum currentem.

    Ich sehe den laufenden Jungen.

    Ich sehe den Jungen, während er läuft.

    9.2 Participium coniunctum und Gerundium

    Das Gerundium ist ein substantivierter verbaler Ausdruck mit aktiver Bedeutung.

    Es besitzt kein Bezugswort, mit dem es in Kasus, Numerus und Genus übereinstimmen müsste.

    Gerundium:

    Discimus legendo.

    Wir lernen durch Lesen.

    Participium coniunctum:

    Discipuli legentes discunt.

    Die lesenden Schüler lernen.

    Die Schüler lernen, während sie lesen.

    9.3 Participium coniunctum und Gerundivum

    Das Gerundivum besitzt passivische Bedeutung und kann insbesondere eine Notwendigkeit ausdrücken.

    Anders als beim PC mit PPA, PPP oder PFA gehört die Gerundivform zu einer eigenen grammatischen Konstruktion.

    Gerundivum:

    Liber legendus est.

    Das Buch muss gelesen werden.

    Participium coniunctum:

    Puer librum legens sedet.

    Der Junge sitzt da und liest ein Buch.

    9.4 Participium coniunctum und attributives Partizip

    Ein attributives Partizip beschreibt sein Bezugswort ähnlich wie ein Adjektiv.

    Ein Participium coniunctum hat darüber hinaus eine stärker selbstständige, satzwertige Bedeutung.

    Attributives Partizip:

    Puer ridens laetus est.

    Der lachende Junge ist fröhlich.

    Satzwertige Deutung:

    Puer ridens in viam currit.

    Während der Junge lacht, läuft er auf die Straße.

    Die Grenzen zwischen attributiver und satzwertiger Verwendung können fließend sein.

    Deshalb ist es wichtig, den Zusammenhang zu beachten.

    10. Ausführliche Beispiele mit verschiedenen Kasus

    Ein Participium coniunctum kann sich auf unterschiedliche Satzglieder beziehen.

    Das Bezugswort steht deshalb nicht zwangsläufig im Nominativ.

    10.1 Bezugswort im Nominativ

    Puella cantans ambulat.

    Während das Mädchen singt, geht es spazieren.

    SatzgliedLateinAnalyse
    Prädikatambulatambulare, 3. Person Singular, Präsens, Indikativ, Aktiv – sie geht spazieren
    Subjektpuellapuella, -ae f., Nominativ Singular – das Mädchen
    PCcantanscantare, PPA, Nominativ Singular Femininum – singend

    10.2 Bezugswort im Akkusativ

    Magister puerum currentem videt.

    Der Lehrer sieht den Jungen, während dieser läuft.

    SatzgliedLateinAnalyse
    Prädikatvidetvidere, 3. Person Singular, Präsens, Indikativ, Aktiv – er sieht
    Subjektmagistermagister, magistri m., Nominativ Singular – der Lehrer
    Akkusativobjektpuerumpuer, pueri m., Akkusativ Singular – den Jungen
    PCcurrentemcurrere, PPA, Akkusativ Singular Maskulinum – laufend

    10.3 Bezugswort im Dativ

    Magister discipulo laboranti auxilium dat.

    Der Lehrer hilft dem Schüler, während dieser arbeitet.

    Wörtlich: Der Lehrer gibt dem arbeitenden Schüler Hilfe.

    SatzgliedLateinAnalyse
    Prädikatdatdare, 3. Person Singular, Präsens, Indikativ, Aktiv – er gibt
    Subjektmagistermagister, magistri m., Nominativ Singular – der Lehrer
    Dativobjektdiscipulodiscipulus, -i m., Dativ Singular – dem Schüler
    PClaborantilaborare, PPA, Dativ Singular Maskulinum – arbeitend
    Akkusativobjektauxiliumauxilium, -i n., Akkusativ Singular – Hilfe

    10.4 Bezugswort im Ablativ

    Cum amico redeunte loquor.

    Ich spreche mit meinem Freund, während er zurückkehrt.

    SatzgliedLateinAnalyse
    Prädikatloquorloqui, 1. Person Singular, Präsens, Indikativ, Deponens, aktive Bedeutung – ich spreche
    Präpositionalergänzungcum amicocum + Ablativ, amicus, -i m., Ablativ Singular – mit dem Freund
    PCredeunteredire, PPA, Ablativ Singular Maskulinum – zurückkehrend

    amico ist Bestandteil der vom Verb abhängigen Präpositionalergänzung.

    Daher handelt es sich bei amico redeunte hier nicht um einen Ablativus absolutus.

    11. Häufige Fehler beim Participium coniunctum

    Fehler 1: Das Partizip als finites Verb auffassen.

    Ein Partizip ist keine Personalform und bildet im PC kein eigenständiges finites Prädikat.

    Fehler 2: Das falsche Bezugswort wählen.

    Überprüfe immer die KNG-Kongruenz und den Satzzusammenhang.

    Fehler 3: Das PPA als vorzeitig übersetzen.

    Das PPA bezeichnet grundsätzlich Gleichzeitigkeit zur übergeordneten Handlung.

    Fehler 4: Das PPP immer als gleichzeitig verstehen.

    Das PPP besitzt normalerweise vorzeitige Bedeutung.

    Fehler 5: Jedes PPP passiv übersetzen.

    Bei Deponentien hat das Perfektpartizip normalerweise aktive Bedeutung.

    Fehler 6: Jedes Partizip im Ablativ als Ablativus absolutus bestimmen.

    Auch ein PC kann im Ablativ stehen, wenn das Bezugswort im übergeordneten Satz grammatisch eingebunden ist.

    Fehler 7: Immer dieselbe Nebensatzkonjunktion verwenden.

    Ob „während“, „nachdem“, „weil“ oder „obwohl“ passt, entscheidet der Zusammenhang.

    Fehler 8: Das PFA grundsätzlich wie ein Futur übersetzen.

    Das PFA kann auch Absicht oder bevorstehende Handlung ausdrücken.

    12. Übungen zum Participium coniunctum

    Versuche, die Aufgaben zunächst ohne Hilfsmittel zu lösen.

    Achte bei jeder Konstruktion besonders auf das Bezugswort, die Partizipart, die KNG-Kongruenz und das Zeitverhältnis.

    Übung 1: Grundlagen

    Frage 1: Was bedeutet der Ausdruck participium coniunctum?

    Frage 2: Warum bezeichnet man diese Konstruktion als „verbunden“?

    Frage 3: Was bedeutet KNG-Kongruenz?

    Frage 4: In welchen grammatischen Merkmalen stimmt das Partizip mit seinem Bezugswort überein?

    Frage 5: Welche drei wichtigen Partiziparten gibt es im Lateinischen?

    Frage 6: Was unterscheidet ein Partizip von einem finiten Verb?

    Übung 2: Partiziparten bestimmen

    Bestimme jeweils, ob es sich um ein PPA, PPP oder PFA handelt, und gib die grundsätzliche Bedeutung an.

    1. laudans
    2. monitus
    3. lecturus
    4. audiens
    5. captus
    6. secutus
    7. hortaturus
    8. currens
    9. visus
    10. scripturus

    Übung 3: KNG-Kongruenz bestimmen

    Bestimme Kasus, Numerus und Genus der folgenden Wortgruppen und nenne gegebenenfalls mehrere mögliche Formen.

    1. puer ridens
    2. puellam cantantem
    3. militibus pugnantibus
    4. feminae laudatae
    5. templum deletum
    6. servorum laborantium
    7. amico venienti
    8. urbes captae

    Übung 4: Bezugswort und Partizip finden

    Bestimme das Bezugswort und das zugehörige Partizip.

    Gib außerdem die Partizipart und das Zeitverhältnis an.

    1. Puer currens ridet.
    2. Magister discipulum legentem videt.
    3. Milites vulnerati fugerunt.
    4. Puella a matre laudata gaudet.
    5. Caesar milites hortaturus venit.
    6. Hostes urbem captam reliquerunt.
    7. Discipuli magistrum loquentem audiunt.
    8. Senex epistulam scribens sedet.

    Übung 5: Übersetzung ins Deutsche

    Übersetze die Sätze möglichst sinngemäß ins Deutsche.

    Verwende nach Möglichkeit einen passenden Nebensatz.

    1. Puer ridens in hortum currit.
    2. Puella cantans domum redit.
    3. Milites urbem captam intraverunt.
    4. Magister discipulum laborantem laudat.
    5. Hostes periculum timentes fugerunt.
    6. Caesar milites hortaturus ad eos venit.
    7. Puer a patre monitus tacuit.
    8. Milites ducem secuti ad flumen venerunt.

    Übung 6: Zeitverhältnisse erkennen

    Bestimme, ob die Partizipialhandlung gleichzeitig, vorzeitig oder nachzeitig ist.

    Erkläre jeweils, woran du das erkennst.

    1. Puer legens sedet.
    2. Puer legens sedebat.
    3. Puer laudatus gaudet.
    4. Puer laudatus gavisus est.
    5. Puer librum lecturus sedet.
    6. Puella cantans ambulabit.
    7. Milites victi fugerunt.
    8. Caesar profecturus milites convocavit.

    Übung 7: Verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten

    Übersetze jeden Satz auf mindestens zwei unterschiedliche Arten.

    Verwende beispielsweise einen Relativsatz, einen Temporalsatz, einen Kausalsatz oder eine Beiordnung, soweit dies inhaltlich sinnvoll ist.

    1. Puer ridens currit.
    2. Milites vulnerati fugerunt.
    3. Magister discipulum legentem videt.
    4. Puella a matre laudata gaudet.
    5. Hostes periculum timentes discesserunt.

    Übung 8: PC oder Ablativus absolutus?

    Bestimme, ob die hervorgehobene Konstruktion ein Participium coniunctum oder ein Ablativus absolutus ist.

    Begründe deine Entscheidung anhand der grammatischen Funktion des Bezugswortes.

    1. Milites vulnerati fugerunt.
    2. Duce vulnerato milites fugerunt.
    3. Puella cantans ambulat.
    4. Urbe capta milites discesserunt.
    5. Magister discipulum legentem videt.
    6. Cum amico redeunte loquor.
    7. Hostibus victis Romani gaudebant.
    8. Romani hostes victos viderunt.

    Übung 9: Übersetzung vom Deutschen ins Lateinische

    Übersetze die folgenden Sätze ins Lateinische und verwende dabei ein Participium coniunctum.

    1. Der lachende Junge läuft.
    2. Das singende Mädchen geht spazieren.
    3. Der Lehrer sieht den lesenden Schüler.
    4. Die verwundeten Soldaten fliehen.
    5. Der gelobte Junge freut sich.
    6. Die Soldaten verfolgen die fliehenden Feinde.
    7. Der Lehrer gibt dem arbeitenden Schüler Hilfe.
    8. Caesar kommt, um die Soldaten anzuspornen.

    Übung 10: Fehler erkennen und korrigieren

    Untersuche die folgenden Aussagen und korrigiere gegebenenfalls die Fehler.

    Aussage 1: Ein Participium coniunctum besteht immer aus einem Partizip im Nominativ.

    Aussage 2: Das PPA bezeichnet normalerweise Vorzeitigkeit.

    Aussage 3: Das PPP besitzt bei gewöhnlichen transitiven Verben passive Bedeutung.

    Aussage 4: Ein PC kann sich auch auf ein Akkusativobjekt beziehen.

    Aussage 5: Ein Partizip im Ablativ gehört immer zu einem Ablativus absolutus.

    Aussage 6: Das PFA kann eine beabsichtigte Handlung ausdrücken.

    Aussage 7: Partizip und Bezugswort müssen immer derselben Deklination angehören.

    Aussage 8: Die passende Übersetzung eines PC hängt auch vom Satzzusammenhang ab.

    Übung 11: Vollständige Satzanalyse

    Analysiere die folgenden Sätze nach dem bekannten Schema.

    Bestimme zuerst das Prädikat, anschließend das Subjekt und danach die übrigen Satzglieder.

    Gib bei allen flektierten Formen die grammatische Bestimmung an.

    Untersuche besonders das Participium coniunctum einschließlich seiner Ergänzungen.

    Übersetze jeden Satz anschließend ins Deutsche.

    Satz 1:

    Milites hostes fugientes persequuntur.

    Satz 2:

    Magister discipulum librum legentem laudat.

    Satz 3:

    Caesar urbem a militibus captam vidit.

    Satz 4:

    Puer a patre monitus domum rediit.

    Satz 5:

    Hostes Romanos appropinquantes viderunt.

    Satz 6:

    Milites ducem fortiter pugnantem secuti sunt.

    Übung 12: Anspruchsvolle Übersetzungen

    Übersetze die folgenden Sätze und erkläre jeweils die grammatischen Zusammenhänge.

    Achte insbesondere auf mehrere mögliche Bezüge und die zeitliche Reihenfolge der Handlungen.

    1. Caesar milites diu pugnantes laudavit.
    2. Milites urbem ab hostibus desertam intraverunt.
    3. Puer epistulam a patre scriptam legit.
    4. Hostes Romanos per silvam appropinquantes conspexerunt.
    5. Milites ducem hortantem audientes fortius pugnaverunt.
    6. Caesar milites oppidum oppugnaturos convocavit.

    13. Das Wichtigste auf einen Blick

    Das Participium coniunctum ist eine Partizipialkonstruktion, deren Bezugswort grammatisch in den übergeordneten Satz eingebunden ist.

    Partizip und Bezugswort stimmen in Kasus, Numerus und Genus überein.

    Das PPA hat aktive Bedeutung und bezeichnet Gleichzeitigkeit.

    Das PPP hat normalerweise passive Bedeutung und bezeichnet Vorzeitigkeit, wobei Deponentien eine wichtige Ausnahme bilden.

    Das PFA hat aktive Bedeutung und bezeichnet Nachzeitigkeit oder eine beabsichtigte Handlung.

    Ein PC kann sich auf unterschiedliche Satzglieder beziehen und deshalb in verschiedenen Kasus stehen.

    Bei der Übersetzung kommen insbesondere Relativsätze, Temporalsätze, Kausalsätze, Konzessivsätze und sinngemäße Beiordnungen infrage.

    Ein wichtiger Unterschied zum Ablativus absolutus besteht darin, dass dessen Bezugswort nicht als Satzglied in den übergeordneten Satz eingebunden ist.

    Merksatz:

    Erst das Partizip bestimmen, dann das Bezugswort finden, die KNG-Kongruenz überprüfen, das Zeitverhältnis erkennen und schließlich den Satz sinngemäß übersetzen.

    14. Musterlösungen zu den Übungen

    Zu allen zwölf Übungen gibt es einen separaten Artikel mit ausführlichen Musterlösungen und grammatischen Erklärungen.

    Dort findest du nicht nur die richtigen Antworten, sondern auch Erläuterungen dazu, wie du die Formen bestimmst und die passende Übersetzung findest.

    Für meine Nachhilfeschülerinnen und Nachhilfeschüler sind die Musterlösungen im Rahmen des Unterrichts kostenlos zugänglich.

    Alle anderen Interessierten können den Zugang zum Musterlösungsartikel für einmalig 0,50 € über PayPal erwerben.

    So kannst du selbstständig üben und anschließend überprüfen, ob du die Konstruktionen richtig verstanden hast.


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